Feb

12

Die Salzburger Nachrichten haben mich freundlicherweise interviewt:

“Im Internet sammeln sich nicht nur Anhänger skurriler Verschwörungstheorien. Auch Menschen mit Erkrankungen finden digitalen Beistand. Oder gegen Corona Geimpfte tauschen sich aus. Doch das bringt gewisse Risiken mit sich.”

Ich erläutere im Gespräch mit den SN, welche Risiken (aber eben auch Chancen) ich hier sehe.

Feb

7

Roger Willemsen, 2011. CC BY-SA 3.0/Sharon Nathan

Heute vor fünf Jahren starb Roger Willemsen. Für mich war sein früher Tod schlimm, denn ich kannte und schätzte, ja: bewunderte seine Arbeit schon sehr lange. Das Interesse an seinem Wirken begann in meiner Teenagerzeit, in den frühen 90ern, vorrangig aufgrund seiner Moderation in der damaligen Talkshow 0137, welche (unverschlüsselt) im Bezahlfernsehen von PREMIERE lief. Seitdem wuchs mir seine Arbeit immer mehr ans Herz und es war erschreckend, von seinem viel zu frühen Tod zu erfahren. Ein kleiner Trost, immerhin: nach seinem Tod gründeten einige seiner Freunde die Roger-Willemsen-Stiftung, die ich als Mitglied des “Freunde der Villa Willemsen e.V.” seit ein paar Jahren gern unterstütze.

Und natürlich war meine Freude groß, im heutigen Newsletter der Stiftung einen Auszug aus Roger Willemsens Buch “Momentum” zu entdecken:

“Wenn der Puls nicht regelmäßig schlüge, Hätten wir eine andere Musik. Wenn ich den Schlaf lieben könnte, hätte ich die Hoffnung einmal satt zu werden. Wenn sich das Träumen genießen ließe, gäbe es süchtige Träumer. Vielleicht ist der Erfolg eine Krise, in der die unbeschädigte Person ihren Prüfungen übergeben wird. Mit solchen Gedanken kommt man über den Winter.”

Die in “Momentum” verwendete Form begeisterte mich, da sie meiner Idee der Arbeit mit Sinneinheiten zu ähneln schien, freilich in “nichtwissenschaftlichem” Kontext, aber im Kern identisch. (Wobei … ist das mit der Nichtwissenschaftlichkeit überhaupt so deutlich formulierbar?) Zu Ehren von Roger Willemsen wollte ich diese Idee in meinem 2020 erschienenen Buch “Internetsoziologie” kurz kontextualisieren, dazu vielleicht ein, zwei oder drei Beispiele bringen. So war der Plan. Daraus wurde letztlich ein ganzes Unterkapitel, mehr als sieben Seiten. Oder anders gesagt: Es endete in der üblichen Begeisterung über Roger Willemsens Arbeit, wie so oft.

Ich wiederhole mich, natürlich, wie so viele: er fehlt. Aber: er inspiriert auch. Nicht “immer noch”. Kein “immer noch” aus dem nachvollziehbaren Gedanken des Trosts oder gar des Trotzes heraus. Nichts dergleichen. Sondern: immer. Ein “immer” aus purer Begeisterung, Faszination, ja: aus andauernder Freude über Werk und Wirken. Das tut sehr gut. Auch – vielleicht sogar gerade – heute.

Feb

2

„Wir waren zu arrogant“, sagt Nadolski auf der Rückfahrt. „Lange schon!“ Die Fahrer hätten es schon seit Jahren verpasst, sich an den Wandel im Markt anzupassen, Kontakte zu knüpfen, ihre Bedürfnisse hörbar zu machen.”

In meinen Seminaren (1) ist die Taxibranche schon lange ein Thema und die Studierenden schüttelten ob der Zustände (2) meist nur noch den Kopf: Wie kann man so ein altbackenes Geschäftsmodell mit so einem verstaubten Service so verbissen verteidigen? Wie kann man sich so stark gegen die kleinste Veränderung wehren? Wieso will man den technologischen und gesellschaftlichen Wandel nicht begrüßen, um wenigstens eine Chance zu haben, ihn auch mitzugestalten? Nun, die obige Antwort des Chefs der Berliner Taxiinnung Leszek Nadolski faßt es perfekt zusammen und bestätigt wieder einmal (gefühlt eben Beispiel 785665), daß Digitalisierung aktiv verhindert und nicht nur verschlafen wurde und (in vielen Bereichen immer noch) wird. Erst, wenn es zu sehr wehtut, dann kommt man in die Gänge. Die altbekannte Nummer in diesem Land …

(1) Im Masterstudiengang “Digital Management”
(2) Vor Corona

Jan

29

@netsociology

Ein Beitrag vom 29. Januar 2021

Inzwischen ist ein Monat vergangen, seit ich mich bei Twitter mit meinem Account @netsociology abgemeldet habe. Zu den Gründen werde ich hier wahrscheinlich in Kürze etwas schreiben. Stellt sich “nur” noch die Frage: bleibt es bei einem Abschied auf Zeit?

Jan

8

Die aktuellen Entwicklungen rund um Donald Trump und die Erstürmung des Capitols führten auch zu einem neuen Interview mit mir: Hass und Fake-News: «Wir müssten über jeden Tweet eine Gerichtsverhandlung führen»

Jan

7

News-Abo “wieder da”

Ein Beitrag vom 7. Januar 2021

Er mag anachronistisch erscheinen, doch er erfreut sich seit vielen Jahren großer Beliebtheit: der hiesige News-Abo-Service. Wenn Sie noch nicht dabei sind, jedoch zukünftig alle Internetsoziologie.de-News einfach und bequem per Mail erhalten wollen, dann klicken Sie oben auf den Menupunkt “News-Abo” und tragen Ihre Mailadresse in das (je nach Browser hoffentlich unkompliziert erscheinende) Feld ein. Danach geht das Ganze seinen üblichen Gang (Bestätigungsmail, Linkklick – fertig).

Zwischenzeitlich hatte ich schon überlegt, den Service zu beenden, doch nicht nur seit meiner Accountlöschung bei Twitter wurde deutlich: es sollte auch weiterhin eine Alternative zu den klassischen Social-Media-Plattformen geben. Deshalb bleiben wir auch im 25sten (und damit erneut einem Jubiläums-)Jahr dieser Website der E-Mail treu. Ich denke, es dürfte die richtige Entscheidung sein! Die An- und Abmeldeseite wurde deshalb überarbeitet, das Plugin aktualisiert und die Inhalte der Service-Mails (Abmeldeverfahren, E-Mail-Adressen usw.) völlig neu gestaltet. Ich hoffe, Sie finden Gefallen an diesem Service! Bei Fragen können Sie mich jederzeit gern via Mail kontaktieren.

Jan

5

Die Fragen habe ich noch 2020 beantwortet, nun ist der dazugehörige Artikel online. Das erste Interview des Jahres 2021 mit mir, über Zoom, Onlinepragmatismus und die Vorfreude auf die Partys nach Corona, ist heute im St. Galler Tagblatt erschienen: “Das neue Zeitalter des Netzwerkens: Freunde sind wieder wichtiger als Likes”

Dez

31

Was für ein Jahr!

Ein Beitrag vom 31. Dezember 2020

Liebe Leserinnen und Leser – was war das für ein Jahr! So viele Tiefen, aber auch manch erfreulicher Höhepunkt inmitten dieser epochalen Pandemiesituation! Ich denke, wir sind letztlich alle froh, wenn 2020 endlich vorüber ist. Das gilt damit logischerweise auch für mich, denn dieses Jahr war vor allem eines: anstrengend. Auch wenn es doch erfreulich viel Positives zu berichten gäbe, so möchte ich damit bis Anfang Januar 2021 warten. Deshalb gibt es hier und jetzt, am letzten Tag dieses seltsamen Jahres, keinen üblichen Jahresrückblick, sondern in Kürze (nun ja, hoffentlich :-) einen Rückblick auf 2020 und einen Ausblick auf 2021. Ich danke Ihnen sehr für Ihre Geduld und Ihr Verständnis und wünsche Ihnen einen guten Rutsch – sofern nicht schon geschehen ;-) – ins neue Jahr 2021, welches hoffentlich für uns alle besser wird als 2020. Passen Sie auf sich auf, verlieren Sie niemals die Hoffnung und den Mut – und wenn man dieser Tage mal einen Durchhänger hat: das ist völlig normal. In diesen Zeiten geraten früher oder später auch die Stärksten an ihre Grenzen. Danken wir alle den Menschen, die für uns da sind – privat wie beruflich. Vergessen Sie nicht: Sie sind nicht allein! Wir sehen uns in 2021!

P.S.: Meinen Twitter-Account netsociology deaktiviere ich im Laufe des heutigen Tages. Zehn Jahre persönlicher Twitter-Nutzung sind – trotz all der lieben Menschen dort – letztlich genug für mich. Bei Gelegenheit werde ich hier vielleicht noch ein wenig mehr dazu schreiben, aber vorerst heißt es: #twoff. Hier, auf/mit/bezüglich meiner Website, ändert sich natürlich nichts. Sie erreichen mich zudem über die bekannten/aufgeführten Kanäle. An meiner Betreuung des NTF-Twitter-Accounts ändert sich im Übrigen auch nichts.

Nov

30

Die Begleitung eines Live-Ereignisses über einen Nachrichtendienst wie Twitter ist immer eine Gratwanderung: sind die Informationen, die man beisteuern kann, gut, wird Menschen konkret und zeitnah geholfen. Sind die Informationen falsch, irreführend oder unvollständig, könnten so nicht nur Gerüchte in die Welt gesetzt werden, die letztlich ein unkontrollierbares (und ggf. unangenehmes) Eigenleben entwickeln können, sondern es könnte direkt zu konkreten Gefahren für die RezipientInnen kommen. Deshalb habe ich wie immer in so einem Falle zuerst ein wenig gezögert, als ich während meiner Arbeit am 2. November vom Anschlag in Wien las. Da ich derzeit für den Twitter-Account unseres Netzwerks Terrorismusforschung zuständig bin, kam schnell die altbekannte Frage auf: Soll man in so einem Falle live mittwittern, um ggf. einen (sinnvollen) Beitrag zu leisten? Oder stört und nervt die Twitterei nur, da in der Tat auch immer Falschmeldungen kursieren und man natürlich weiß, daß man diesen niemals vollständig ausweichen kann? Ich entschied mich für eine mehrstündige Live-Begleitung nach einem von mir selbst entworfenen Konzept (in Kurzform: so gut wie nur möglich überprüfte Information plus extrem schnelle Reaktion plus wiederholte Verweise auf absolut seriöse Quellen sowie ein ausnahmsloser Verzicht auf Tatortfotos bzw. -videos, individuelle Kommentare, offenkundige (!) Gerüchte und emotionale Beiträge), und das nicht nur aus fachlichen Gründen. Wien ist meine „zweite Heimat“ und dieser Fall wurde damit zu einem besonderen Fall. Vielleicht hätte genau dieser Aspekt die eine oder den anderen erst recht dazu bewogen, nicht zu twittern. Doch ich entschied mich dafür. Rückblickend muß ich feststellen, daß dies die richtige Entscheidung war.

Ich war freilich nicht der Einzige, der versuchte, hilfreiche Informationen zu verbreiten, die Menschen bestmöglich zu informieren und auch eigene Statements abzugeben, die einem in so einem Moment hilfreich erscheinen. Besonders aktiv (und auffällig) war der Journalist Florian Klenk – der für seine Arbeit jedoch erstaunlicherweise zuhauf Kritik erfuhr. Das überraschte mich, da ich keinen Anlaß für derart starke Kritik in seinem Vorgehen entdecken konnte. Doch natürlich gilt auch in diesem Falle die alte Weisheit von Karl Popper:

“Always remember that it is impossible to speak in such a way that you cannot be misunderstood: there will always be some who misunderstand you.”

Besonders seltsam kam der Vorwurf der Zeitschrift Profil rüber, über den Klenk später auf Twitter berichtete: er habe, so der Vorwurf, mit seiner Arbeit in einem Fall die Polizei konkret behindert. Klenk bat hier die Landespolizeidirektion Wien um Aufklärung, da er offenbar anderes gehört hatte:

„Profil behauptet, ohne Rückfrage, ich hätte die laufende Polizeiarbeit behindert. Das ist ein wirklich infamer Vorwurf, der mich auch ganz persönlich trifft. Die Polizei hat sich sogar persönlich und öffentlich bei mir bedankt. Wäre gut, wenn @LPDWien hier Stellung nehmen könnte.“

Die LPD Wien reagierte daraufhin wie folgt:

„Gerade die “großen” Accounts haben uns in der Anfangsphase enorm geholfen Warnungen & valide Informationen zu verbreiten. Zu Beginn wurde entsprechend gewarnt & als wir mit der Kommunikation begonnen haben auf uns verwiesen. Die Kritik können wir nicht nachvollziehen.“

Dies beruhigte mich sehr, auch wenn das NTF keinen „großen“ Account hat. Doch erstens wurden wir aufgrund der von mir ausgesandten „Masse“ (= ein paar Dutzend) Tweets auch sehr deutlich wahrgenommen – im Kontext des Wien-Anschlags erreichten unsere Tweets ca. 200.000 Impressions – und damit (durch unser Wirken in diesem Kontext) “groß”. Und zweitens hatte ich nichts anderes vor als Florian Klenk: ich wollte helfen. Doch ich wollte hier auf Nummer Sicher gehen. Deshalb formulierte ich einen entsprechenden Tweet als Reaktion auf die Aussagen der LPD Wien:

Wenn auch wir (mithilfe unseres kleinen Accounts) eventuell ein bißchen helfen konnten, dann wären wir schon sehr zufrieden. Zumindest die Verweise auf die @LPDWien erschienen mir doch sehr wichtig. (sh)

Die LPD Wien reagierte mit einem „Gefällt mir“-Klick.

Fazit: Ich war und bin immer noch sehr froh und erleichtert ob dieser Bestätigung, denn Kritik bleibt bei solchen Aktionen wohl nie aus und es ist demzufolge immer ein gewisses Risiko enthalten, welches im Hinterkopf ist und bleibt. Doch es ist gut zu wissen, daß die angewandte Strategie hier voll aufging und man demzufolge etwas weniger Zeit für Bedenken haben muß und mehr Energie für die konkrete Aufgabe aufwenden kann. Ich denke somit, daß wir mit dem von mir entwickelten Ansatz ein Konzept nutzen, welches man mit entsprechender Sicherheit auch in zukünftigen Fällen anwenden kann. Die Grundlinien, so mein Eindruck, stimmen. Der Anlaß mag noch so furchtbar sein, doch die Hilfe wird wahrgenommen. Und das ist das Wichtigste.

(Das Konzept wird demnächst in detaillierter und klar strukturierter Fassung festgehalten und dann auch gern zur Verfügung gestellt. Vielleicht ist es ja auch für andere Institutionen interessant oder gar hilfreich. Wenn Sie mehr wissen möchten, schicken Sie mir einfach eine Mail.)

Okt

19

In wenigen Tagen startet wieder meine wahrscheinlich erfolgreichste Veranstaltung: das Blockseminar zum Thema #SocialEngineering an der TH Brandenburg. Dieses mit weitem Abstand beliebteste Seminar zeigt das ganze Spektrum des Social Engineerings in der analogen und der digitalen Welt und führt mithilfe von Gruppenarbeiten und Szenariobesprechungen nicht nur zu mehr Awareness und verbesserter Detektion, sondern widmet sich auch einem Abwehr- und Schulungsprogramm, welches für eigene Zwecke (bspw. in der eigenen Firma) eingesetzt werden kann.

Nun ist die Veranstaltung an der THB exklusiv für Studierende dieser Hochschule gedacht, aber da die Anfragen bezüglich Social-Engineering-Schulungen jedes Jahr mehr werden: Ich biete dieses Seminar auch außerhalb der THB an – allerdings nur als Firmenschulung, nicht für andere Hochschulen. Wenn Sie also z.B. wissen wollen

– was – konkret – nach Phishing, CEO Fraud und Co. zukünftig in den Bereichen Social Engineering und Social Hacking zu erwarten ist
– welche psychologischen, soziologischen und technischen Angriffsvektoren – abstrakt – gegenwärtig und zukünftig eine Rolle spielen
– wie Sie ganzheitlich eine dauerhafte SE-Awareness in Ihrer Firma schaffen können, auf Basis einer Balance zwischen Offenheit und Achtsamkeit
– welche wissenschaftlichen und praxisorientierten Schutzkonzepte tatsächlich sinnvoll sind und welche nicht

dann schreiben Sie mich an. Das Seminar kann sowohl für Einsteiger (vorrangig zur Schaffung der bereits erwähnten Awareness) als auch für Profis (zwecks Weiterentwicklung bestehender Konzepte) angeboten werden. Möglich ist alles zwischen wenigen Stunden Programm und mehrtägigem Workshop – vor Ort und digital.

Die besondere Stärke des Seminars liegt in seiner Wissenschaftlichkeit. Ich bearbeite dieses Themenfeld seit über 15 Jahren und habe dabei drei Schwerpunkte, die sich schnell herauskristallisiert und inzwischen längst bewährt haben:

– Maximal innovative Methodik basierend auf dem eigenen Forschungsfeld der Internetsoziologie und mehreren Forschungsprojekten auf nationaler und internationaler Ebene
– Anwendung eigener Forschungsergebnisse, die vor allem aus der Zusammenarbeit mit Polizeibehörden auf Landes- und Bundesebene, aber auch zusammen mit internationalen Forschungseinrichtungen und Unternehmen entstanden sind
– Verzicht auf eine eigene „Denkschule“, d.h. vollkommen unabhängige Konzeptentwicklung und Beurteilung bestehender Lösungen

Schreiben Sie mir eine Mail, falls Sie an einer Schulung interessiert sind. Einige Literaturempfehlungen und weitere Informationen finden Interessierte in unserem Sicherheitsforschungs-Wiki.


Mehr Infos über das Buch gibt es hier.