Piratenpartei: Nerdismus ist und bleibt der falsche Weg

Ich kann es nur immer und immer wieder betonen: Nerdismus ist der falsche Weg für die Piratenpartei (und jeden anderen, der meint, so die digitale Welt am besten gestalten zu können). Deshalb halte ich auch solche Analysen für grundfalsch:

“Die Piratenpartei ist maßgeblich nicht wegen ihrer Meinung zur Außen- oder Wirtschaftspolitik für die Menschen interessant. Und erst recht nicht wegen ihres Führungspersonals. Sondern weil sie eine einmalige Chance bietet: Nämlich die, die Plattform für die politischen Experimente der digitalen Generation zu werden.”

(Quelle)

Nein. Das ist mit Sicherheit nicht, worauf die Menschen in Deutschland warten – und auch leider insgesamt zu kurz gegriffen. Wäre es nämlich so, hätten die Wählerinnen und Wähler die Piraten stets mit überraschend guten Ergebnissen in die Parlamente gewählt. Das ist aber zuletzt – nachdem man erkennen konnte, was hinter der “frischen” und “frechen” Truppe steckt – so dermaßen gründlich schiefgegangen, daß man sich schon fragen muß, ob die Piraten überhaupt eine brauchbare Grundlage für ihr Handeln haben. Wenn die Antwort hier “Nerdismus!” lautet, dann kann man getrost sagen: nein, sie haben keine taugliche Grundlage. Technik allein ist für unsere Gesellschaft keine geeignete Basis, weshalb ich auch den folgenden Ansatz für völlig falsch halte:

“Wer, wenn nicht die Nerdpartei par excellence, sollte die technischen Fähigkeiten dafür besitzen? Die Piratenpartei könnte eine Spielwiese sein, ein Versuchslabor der Demokratie. Sie könnte Beteiligungsmöglichkeiten ausprobieren, ordentlich auf die Schnauze fallen, wieder aufstehen und dann: weitermachen.”

(Ebd.)

Nochmals nein. Technische Spielereien führen weder zu guten Inhalten noch zu guten Wahlergebnissen. Es funktioniert höchstens mit einer Mischung aus Technik und Gesellschaft, so wie es bei den Grünen den gemeinsamen Nenner Ökologie (= Mensch und Natur) gab. Wenn “digital” aufgrund des miserablen Erscheinungsbildes der Piratenpartei aber stets mit Begriffen wie “chaotisch”, “Alles-umsonst-Mentalität” oder “Shitstorm” und nicht mit der Lösung von digitalen Herausforderungen assoziiert wird, dann schadet das uns allen.

Technik über alles zu stellen, das ist und bleibt grundverkehrt. Aber vielleicht gibt es ja nun mit der neuen politischen Geschäftsführerin der Piratenpartei etwas mehr “Verbraucherzentrale Bundesverband”-Ernsthaftigkeit und etwas weniger “CCC“-Unsinn.

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Postbank offline

Sie wollen Postbank Direkt nutzen, das Onlineportal der deutschen Postbank, welches viele Konten, Kreditkarten u.ä. zusammenführt? Praktisch, in der Tat – aber auch: derzeit nicht verfügbar.

Postbank Direkt

Macht nix, bleibt ja noch Postbank Online Banking, so wie empfohlen.

Postbank Online Banking

Naja … oder auch nicht.

Bleibt nur “Postbank offline” am Automaten in der Filiale. Schöne, neue – entschleunigte – Bankenwelt im Jahr 2013.

P.S.: Eigentlich unnötig zu erwähnen, daß Postbank Online Brokerage derzeit auch nicht funktioniert. Wenn schon Entschleunigung, dann richtig! Ist doch selbstverständlich!

Postbank Online Brokerage

Update (fünf Stunden später): Back online – irgendwie …

Postbank - technischer Fehler

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Terroranschlag in Boston: Die “einsamen Wölfe” sind die schwierigsten Fälle

Wie gesagt:

“Das ist sicherlich der schwierigste Fall, wenn man es mit sehr kleinen Zellen oder im Extremfall mit einem Einzeltäter zu tun hat. Den kann man kaum festmachen. Auf der anderen Seite ist genau diese Art der individuellen Radikalisierung zu beobachten. Solchen Tätern kann man im Vorfeld kaum auf die Spur kommen.”

Und so war es ja leider auch in Boston:

“The investigation into the bombings is still in its earliest stages, and federal authorities were still in the process of corroborating some of the admissions that law enforcement officials said were made by the surviving suspect in the attacks,Dzhokhar Tsarnaev, 19. But they said some of his statements suggested that the two brothers could represent the kind of emerging threat that federal authorities have long feared: angry and alienated young men, apparently self-trained and unaffiliated with any particular terrorist group, able to use the Internet to learn their lethal craft.

Senator Marco Rubio, a Florida Republican who serves on the Senate Intelligence Committee, told reporters after emerging from a two-hour classified briefing with F.B.I. and intelligence officials Tuesday evening that the suspects were most likely radicalized over the Internet, but that investigators were still searching for possible sources of inspiration or support overseas.”

(Quelle: nytimes.com; mit eigenen Hervorhebungen)

Die spannende Frage ist hier natürlich, wie man nun solchen Problemen begegnen will. Ansätze gibt es viele – mal sehen, was draus gemacht wird.

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Wandel durch Digitalisierung: Bürger schicken Fahndungsfotos zur Polizei

Das ist eine nicht ganz unbedeutende Erkenntnis der Anschläge von Boston:

“Viele Bilder von den Attentätern stammten aus Überwachungskameras, die in Geschäften rund um die Ziellinie installiert waren; ein Aufruf des FBI, mit Smartphones geknipste Bilder vom Zielraum zu schicken, brachte ebenfalls neue Fotos.

(Quelle: sueddeutsche.de, mit eigenen Hervorhebungen)

Davon wird es in Zukunft qualitativ wie quantitativ mehr geben, ohne jeden Zweifel. Denn zu den Personenbeschreibungen kommen nun Personenfotos von Zeugen. So schickt die Polizei nicht mehr nur Fahndungsfotos hinaus in die Welt, sondern bittet auch selbst darum. Die Gefahr von Verleumdungen und Falschverdächtigungen dürfte dadurch zunächst deutlich steigen, denn Fotos wirken deutlich eindrücklicher und “besser” als Zeugenbeschreibungen.

“Das Internet bietet viele Plattformen für Hinweise aller Art. Doch sie haben auch das Potenzial, den Raum zum Ort einer digitalen Hexenjagd werden zu lassen. Diesem Vorwurf sah sich jedenfalls der anonyme Moderator eines Forums auf Reddit.com ausgesetzt. Auf der Internetseite waren hunderte User seinem Aufruf gefolgt, Bilder von Leuten zu posten, die schwarze Taschen auf dem Marathon trugen. Schwarmintelligenz sei effizienter, schrieb er auf der Internetseite.”

(Quelle: sueddeutsche.de)

Und:

“Die Behörden hatten die Bürger dazu aufgerufen, ihnen Bilder und Videos zukommen zu lassen, die Hinweise zu dem Anschlag hätten liefern können. Die Flut an Zusendungen war erdrückend. Edvard Davis von der Polizei in Boston bezeichnete gegenüber der Washington Post die Sichtung und Auswertung des Materials als “fast schon ein Problem”, so groß sei die Menge an Material gewesen. US-Reporter berichten von einem FBI-Agenten, der eine einzige Aufnahme 400 Mal analysiert haben soll.”

(ebd.)

Auch hier geht es also um eine neue Herausforderung, die die Digitalisierung uns beschert und für die konkrete Handlungsmodi gefunden werden müssen. Schließlich sind wieder einmal Menschen unmittelbar betroffen – mit gravierenden Folgen, wenn hier ein Fehler gemacht wird:

“Denn über soziale Netzwerke wie Facebook oder Twitter waren zuvor zahllose Theorien über die Täter und ihre Hintergründe gestreut worden. Diese würden die Ermittlungen eher schwieriger gestalten als erleichtern, so die Ermittler.”

(ebd.)

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RETRO #27: Mediengeschichte mit Spaß neu gelesen

Zur RETRO habe ich an dieser Stelle schon lange nichts mehr geschrieben, was beileibe kein Zeichen von Unzufriedenheit mit dem Heft oder der eigenen Funktion in diesem Zusammenhang sein soll. Ganz im Gegenteil: es ist eher so, daß wir ein neues Heft-Redaktionsteam haben, welches wirklich vielversprechend arbeitet, die RETRO-Website derzeit von Besucherrekord zu Besucherrekord eilt, ich mit meiner neuen Rolle als Mitherausgeber sehr zufrieden bin und es deshalb gar keinen Grund gibt, sich an dieser Stelle über irgendetwas in diesem Kontext zu beschweren. Bei einem so kleinen Projekt (welches ja quantitativ keinesfalls bspw. mit Computerbild oder c´t verglichen werden kann) sind keine Nachrichten oftmals einfach gute Nachrichten: alles läuft rund. So wie es sein soll.

Natürlich kann (ja: sollte) man aber auch an dieser Stelle das besonders Gute erwähnen, muß dies nicht immer nur auf der RETRO-Website tun, vor allem, wenn es einen so direkten wissenschaftlichen Bezug hat: nun hat mit Stefan Höltgen ein ausgewiesener Medienexperte das redaktionelle Ruder in die Hand genommen und die RETRO mit der ersten Ausgabe unter seiner Ägide (Nummer 27) zweifellos in neue Bahnen gelenkt. Ab dem 30.4. kann sich jedermann persönlich davon überzeugen, denn dann geht die 27 in den Handel. Stefan ist mir aus wissenschaftlichen Zusammenhängen bestens bekannt und auch die von ihm ausgewählten Redakteure dürften der RETRO gut tun. Eine extreme Verwissenschaftlichung des Heftes dürfte nun nicht zu befürchten sein, doch dürfte es auch nicht schaden, daß die neue Crew ein wenig mehr Tiefgang eingebracht hat, denn gerade das wurde in der jüngeren Vergangenheit manchmal von nicht wenigen Leserinnen und Lesern vermißt. Freuen wir uns also auf das Upgrade des besten RETRO-Magazins im deutschsprachigen Raum und eine gelungene Verbindung von Wissen und Spaß beim Lesen!

Apropos Verbindung von Wissen und Spaß: wer Lust und Zeit hat, kann sich am kommenden Wochenende in Berlin die Retrobörse anschauen. In Verbindung mit einem Besuch im Computerspielemuseum sicherlich eine extrem lohnenswerte Angelegenheit!

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Überblick: Antisemitismus in der deutschen Linken

In den letzten Tagen gab es einige interessante Texte (und dazu Verlinkungen zu etwas älteren Texten), die sich verstärkt dem wichtigen, aber nicht besonders häufig diskutierten Thema Antisemitismus in der deutschen (radikalen) Linken widmeten. Da dieses Thema auch meiner Überzeugung nach relevant und auch keine marginale Randerscheinung ist (sondern offenbar essentieller Bestandteil linksradikaler/linksextremer Bestrebungen), sollen an dieser Stelle die entsprechenden Links zu den Texten aufgeführt werden, damit man sich bei Interesse einen entsprechenden Überblick bzw. einen eigenen Eindruck verschaffen kann. Antisemitismus und Linksextremismus, so mein Eindruck, stellen zweifelsohne eine gefährliche Verbindung dar, die entsprechend beobachtet werden muß.

1969: Antisemitischer Terror von Links

Die Linke und der Antisemitismus: Möglicherweise

Studie: Antisemitismus in der Linken

Verhältnis zu Israel: Wie es die Linke mit dem Antisemitismus hält

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“Alles viel zu bunt hier!” – Was etliche Nerds vor 20 Jahren von Browsern hielten

Ich kann mich noch gut an das Gezeter und die absurden Diskussionen in verschiedenen Brettern (1) erinnern. Und im Prinzip hat sich an nicht ganz unbedeutenden Stellen (z.B. in verschiedenen Computerclubs) immer noch nicht viel daran geändert; bereits vor 20 Jahren war bei nicht wenigen Nerds eine unschöne Engstirnigkeit zu beobachten, hier dokumentiert am Beispiel der Browserentwicklung:

“Bereits Ende 1993 waren zwei Millionen Kopien von Mosaic im Umlauf, obwohl sich die meisten Computer-Nerds dagegen ausgesprochen hatten, das Internet bunt zu machen. Aus Angst, dass die vielen neuen User das Netz verstopfen könnten oder weil sie die Kommerzialisierung des Netzes fürchteten.”

(Quelle: sueddeutsche.de)

Genutzt hat es zum Glück nichts. Welch enorme positive Entwicklungen wären der Menschheit verwehrt geblieben, wenn die Betonköpfe so hätten entscheiden können, wie es ihnen gefallen hätte.

(1) “ein themengebundenes Forum, z.B. im Usenet” (siehe https://de.wikipedia.org/wiki/Brett)

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