“Zwischen historischer Neuheit und anthropologischer Kreaturalität: Technogene Nähe
Ein Abriss, was Neuheit bedeutete, wie eurozentrisch dieser Gedanke ist, inwieweit er sich selbst aufgelöst hat, geht über zur Frage, was Kreaturalität des Menschlichen sein könnte — und ob diese sich in und mittels neuster Technologien in einer Weise verändert, dass man von einem Sprung innerhalb der Konstitution des Menschen sprechen darf, der vorerst mit “technogener Nähe” bezeichnet werden soll.
„Technogene Nähe” besteht als mehrjähriges Forschungsprojekt in der Ausarbeitung soziologischer Paraphrasen über das mögliche Zuendegehen eines anthropologischen missing links.
Die Kernthese als Frage lautet: Kann das im Zuge der Evolution des Vermögens zur Distanzierung nicht mitevoluierte Vermögen von Menschen, eine Nähe, eine Verbindung, eine Motivation zu großformatigen, abstrakten Gebilden herzustellen, nun mit der rigider werdenden Technologisierung der Existenz überhaupt zum ersten Mal angesprochen werden, so dass erst jetzt, mit Beginn und im Laufe des 21. Jahrhunderts, ein Sprung im prometheischen Gefälle passieren könnte und es möglich wird, dass Menschen mittels, in und durch Technologie zu ‚kommunizieren’ vermögen mit gesellschaftlichen Abstrakta, und zwar emotional, motivational, vielleicht sogar mantisch?
Daneben gibt es einen Forschungsstrang, der sich der Technik zwischen Vertrag und Norm widmet. Kernfrage ist hier eine neue Positionsbestimmung der Technik im Spannungsfeld vertrags– und sozialnormierender Motive des Gelingens sozialer Beziehungen.”
Überraschend ist es nicht: über ähnliche Szenarien philosophieren einige KollegInnen und ich schon seit geraumer Zeit auf Konferenzen und Tagungen. Nun gibt es einen ersten Versuch, mithilfe biometrischer Merkmale Shopping zu … sagen wir: verändern. Das Ganze nennt sich Facedeals und funktioniert so:
“Wer eine Kneipe oder einen Laden betritt wird dabei gefilmt, per Gesichtserkennungssoftware erkannt und mit persönlichen Angeboten aufs Handy beliefert – alles mittels Facebook. Nur freischalten muss der Nutzer sich für die Anwendung.”
Dabei wäre eine Diskussion notwendiger denn je. Denn die Erkennung mithilfe biometrischer Merkmale steht noch ganz am Anfang und das Gesicht ist hierbei nur eines von zahlreichen Merkmalen. Dazu kommt, daß diese selbstverständlich entsprechend miteinander verknüpft werden können, die Software lern- und die Hardware ausbaufähig sein werden usw. Bargeldloses Zahlen – nicht mehr mit dem “guten Namen”, sondern mit dem “hübschen Gesicht” – wird ein Thema sein, die Identifikation in Menschenmassen, die Beobachtung durch Drohnen (und ihre Abwehr, welche in Polizeikreisen durchaus diskutiert wird) etc. pp. Doch bisher ist es höchstens ein rechtliches Thema: was ist derzeit erlaubt und was nicht? Daß jedoch die Gesetze in nicht wenigen Fällen – siehe Urheberrecht – dringend einer Überarbeitung bedürfen, das sollte inzwischen auch dem größten Ignoranten aufgefallen sein. Mit nichtdigitalen Lösungsschemata kann man digitalen Herausforderungen oft genug nicht erfolgreich begegnen.
(Bitte beachten Sie in diesem Zusammenhang auch folgendes PDF: Privacy and Drones: Unmanned Aerial Vehicles von privacybydesign.ca)
… und keine ganzheitliche Entwicklung, so wie es aussieht:
“”Dieses System haben Polizisten, Ermittler und Programmierer gemeinsam entwickelt”, es sei deshalb perfekt auf die Erfordernisse der Beamten abgestimmt.”
Heute gibts die Aufzeichnung der Stuttgarter MEDIA LOUNGE um 18.30 Uhr auf EinsExtra mit Angelika Beer, Markus Beckedahl, Hans-Jürgen Bucher und mir. Mehr Infos dazu gibts auf den Seiten der HdM.
Gesichtserkennung wird in den nächsten Jahren ein immer bedeutenderes Thema, soviel steht fest. Deshalb arbeiten wir, Forscherinnen und Forscher mehrerer Verbundprojekte, intensiv an einer wissenschaftlich fundierten sozialen und rechtlichen Entwicklung dieser Technik, damit nicht nur Wirtschaft oder Politik gewinnen, sondern auch das involvierte Individuum nicht zu kurz kommt. Mein Konzept heißt in diesem Zusammenhang Sociality by Design und lehnt sich damit konkret an Privacy by Design an, eine Form der Technikgestaltung, die rechtliche Aspekte von Beginn an berücksichtigt. In den USA findet bereits eine erste entsprechende Biometriedebatte statt, in Deutschland hingegen fehlt dieser noch der Schwung – doch wir sind bereit dafür. An der Wissenschaft wird ein vernunftorientierter Diskurs deshalb nicht scheitern, davon bin ich überzeugt.
Das war zu erwarten. Ist das jedoch eine erfreuliche Erkenntnis, dies prognostiziert zu haben oder eher eine gruselige? Wie auch immer, mir gefällt natürlich der letzte Satz dieses interessanten heise-Artikels am besten:
„Wenn man nicht von Anfang an für Sicherheit sorgt, wird es hinterher gefährlich.“
Die Kolleginnen und Kollegen vom Pew Research Center sind bekanntlich immer für spannende Ergebnisse gut, deshalb jetzt eine kurze Exkursion in die Welt des Fernsehens der Gegenwart. Kurz zusammengefaßt: Reines Fernsehen findet immer weniger statt. Interaktion während des Fernsehkonsums ist hingegen stark gefragt – zumindest belegen die folgenden Zahlen dies für die USA. Ich bin allerdings anhand zahlreicher recht ähnlicher Nutzungsgewohnheiten überzeugt, daß sich deutsche Nutzerinnen und Nutzer hier nicht besonders auffallend unterscheiden dürften. (Konkrete Vergleiche wären natürlich reizvoll.)
“Half of all adult cell phone owners now incorporate their mobile devices into their television watching experiences. These “connected viewers” used their cell phones for a wide range of activities during the 30 days preceding our April 2012 survey:
38% of cell owners used their phone to keep themselves occupied during commercials or breaks in something they were watching
23% used their phone to exchange text messages with someone else who was watching the same program in a different location
22% used their phone to check whether something they heard on television was true
20% used their phone to visit a website that was mentioned on television
11% used their phone to see what other people were saying online about a program they were watching, and 11% posted their own comments online about a program they were watching using their mobile phone
6% used their phone to vote for a reality show contestant
Taken together, 52% of all cell owners are “connected viewers”—meaning they use their phones while watching television for at least one of these reasons.”
Not the US Government, but … Xerox. And why didn´t it work out for them?
“So having created the Internet, why didn’t Xerox become the biggest company in the world? The answer explains the disconnect between a government-led view of business and how innovation actually happens. ”
BTW, it´s great to see that my former Journalism Professor, who was probably one of the “Inventors” of Information Science in Germany, Gernot Wersig, was right with his point of view. He always pointed out that the Government and the Military weren´t that important at all. It was great to hear those deep insights from him during a time (over a decade ago) where it was quite hard to find people like him over here in Berlin with such a stock of Internet knowledge.
Um dir ein optimales Erlebnis zu bieten, verwenden wir Technologien wie Cookies, um Geräteinformationen zu speichern und/oder darauf zuzugreifen. Wenn du diesen Technologien zustimmst, können wir Daten wie das Surfverhalten oder eindeutige IDs auf dieser Website verarbeiten. Wenn du deine Zustimmung nicht erteilst oder zurückziehst, können bestimmte Merkmale und Funktionen beeinträchtigt werden.
Funktional
Immer aktiv
Die technische Speicherung oder der Zugang ist unbedingt erforderlich für den rechtmäßigen Zweck, die Nutzung eines bestimmten Dienstes zu ermöglichen, der vom Teilnehmer oder Nutzer ausdrücklich gewünscht wird, oder für den alleinigen Zweck, die Übertragung einer Nachricht über ein elektronisches Kommunikationsnetz durchzuführen.
Vorlieben
Die technische Speicherung oder der Zugriff ist für den rechtmäßigen Zweck der Speicherung von Präferenzen erforderlich, die nicht vom Abonnenten oder Benutzer angefordert wurden.
Statistiken
Die technische Speicherung oder der Zugriff, der ausschließlich zu statistischen Zwecken erfolgt.Die technische Speicherung oder der Zugriff, der ausschließlich zu anonymen statistischen Zwecken verwendet wird. Ohne eine Vorladung, die freiwillige Zustimmung deines Internetdienstanbieters oder zusätzliche Aufzeichnungen von Dritten können die zu diesem Zweck gespeicherten oder abgerufenen Informationen allein in der Regel nicht dazu verwendet werden, dich zu identifizieren.
Marketing
Die technische Speicherung oder der Zugriff ist erforderlich, um Nutzerprofile zu erstellen, um Werbung zu versenden oder um den Nutzer auf einer Website oder über mehrere Websites hinweg zu ähnlichen Marketingzwecken zu verfolgen.