Im Jahr 2012 startete ich eine kleine Interview-Reihe für das RETRO-Magazin, die wirklich klein blieb: Das Interview mit Ralf Richter war das einzige. Nach der Nachricht von seinem Tod habe ich es aus der RETRO-Magazin-Datenbank herausgekramt.
Es ist – bis auf einige erklärende Passagen – ungekürzt. Vielleicht ist es ja einer dieser kleinen Mosaiksteine, die das Bild von Ralf Richter weiter vervollständigen können. Los geht’s …
Ralf Richter, Schauspieler, Kult-Figur und – Gamer! Seine Fans schätzen das Authentische, Schnörkellose an ihm und so ist er auch im Gespräch: kein langes Gerede nach dem Wieso, Weshalb, Warum, denn Computerspiele interessieren ihn und deshalb gibt’s ein ausgesprochen angenehmes Interview. Raubein Richter präsentiert sich von seiner offenen, freundlichen Seite. Die Fragen sind klar und für alle Befragten gleich, deshalb kommen wir gleich zur Sache.
Herr Richter, mit welchem Computer oder welcher Spielkonsole haben Sie Ihre ersten digitalen Erfahrungen gesammelt?
„Super Nintendo: The Legend of Zelda – A Link to the past. Damit fing alles an. Seitdem habe ich jede neue Spielekonsole angeschafft.”
Was verbinden Sie mit dem Begriff „Commodore“?
„Das ist doch so ein Klassiker, oder? Gesehen habe ich den C64 mal, aber nie damit gespielt. Atari war die Konkurrenz, richtig?“
Welches ist Ihr Lieblingscomputerspiel?
„Fallout. Ein sehr schönes Spiel, auch wenn man ewig und drei Tage dafür brauchte.“
Mit welchen Spielen können Sie gar nichts anfangen?
„Da gibt’s diese Ballerspiele, in denen man immer nur von rechts nach links steuern muß, hin und her, und man schießt und schießt und schießt und schießt … das ist nichts für mich.“
Würde Ihnen etwas fehlen, wenn es keine Computer, Spielkonsolen oder Smartphone-Games gäbe?
„Wären sie auf einmal weg: ja. Hätte es sie nie gegeben: nein. Aber im Ernst: doch, sie würden mir fehlen. Ich bin ja beruflich viel unterwegs, und wenn man dann in einer Stadt im Hotel angekommen ist, München, Berlin, dann trifft man sich abends in der Regel mit Freunden und geht aus. Das mache ich jetzt aber nicht mehr so oft, stattdessen rufe ich vorher im Hotel an und lasse mir einen Fernsehkanal freimachen, damit ich eine Konsole anschließen kann. Dann spiele ich gerne Adventures, die sind ja abspeicherbar. Das ist doch besser als abends immer auszugehen.“
Richter hat sich warmgelaufen, wir könnten sicher noch lange weiterplaudern, doch es gibt nur fünf Fragen, so sind die Regeln. So was stört einen Ralf Richter freilich nicht, ein Statement will er mir unbedingt noch mit auf den Weg geben:
„Trotz der Ballerspiele bin ich immer noch kein Massenmörder geworden!“
(Original-Interviewlink zur RETRO-Seite, nicht mehr abrufbar; Bildcredits: Ralf Richter, 2014. Foto: Michael Schilling / Wikimedia Commons, CC BY-SA 3.0.)