Jun

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(UPDATE: short english version below)

Arabisch gehört nicht zu den Sprachen, die ich spreche. Findet man dann eine Übersetzung, die in irgendeiner Form interessant zu sein scheint, muß man sich zwangsläufig auf die Menschen verlassen, die übersetzt haben. In diesem Falle tue ich das und gehe deshalb von einem entsprechenden Wahrheitsgehalt dieser Story aus: auf der Website haGalil wird über einen Mordaufruf gegen den Autor Hamed Abdel-Samad („Entweder Broder“) berichtet und auch zu der Facebook-Seite verlinkt, auf der dieser Aufruf zu finden sein soll. Nun dürfte ein Aufruf zu einer so extremen Straftat sicherlich auch für Facebook interessant und meines Erachtens auch ein Grund für eine Intervention sein – doch Facebook sieht das offensichtlich anders. Auf meine Beschwerde erhalte ich binnen Stunden folgende Antwort:

Facebook-Antwort auf Mordaufruf

Abgesehen von der holprigen Sprachqualität/dem wilden Sprachmix und den fehlenden Alternativen, die hier angepriesen werden, aber nicht zu finden sind und damit den negativen Gesamteindruck dieser Facebook-Meldung verstärken (es sei denn, man sieht „Feedback einsenden“ oder das Löschen der Antwort von Facebook als Alternative an): mit diesem Ergebnis kann ich nicht viel anfangen. Auch im Lichte einer extrem großzügig ausgelegten Meinungsfreiheit erscheint es meines Erachtens höchst zweifelhaft, wenn dieser Art von Hassrede kein Riegel vorgeschoben wird. Das Ganze wird in meinen Augen sowohl inhaltlich als auch formal etwas lapidar gehandhabt.

Es ist insgesamt kein repräsentatives, jedoch ein sehr bedenkliches Live-Beispiel für Extremismus im Internet und wie Facebook damit umgeht. Zwar verschwindet der Hass nicht automatisch aus den Köpfen, wenn man ihm das digitale Forum entzieht. Doch Ignoranz ist sicherlich auch keine Lösung.

Eines ist jedoch völlig klar: Beachtung findet dieser Gewaltaufruf auf jeden Fall.

UPDATE (9.6.2013): short english version

Please check the haGalil link to get more information about an islamists incitement to murder author Hamed Abdel-Samad found on Facebook. Facebook declined to remove this incitement – see the picture above. This is at least a highly questionable approach to this hate speech and something worth mentioning.


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