Mrz

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Glauben Sie daran, daß die Abschaffung von Anonymität (oder auch Pseudonymität) die Tonlage im Internet verbessern würde oder Hetze bzw. der berühmte Shitstorm verringert werden könnte? Dann haben Sie anscheinend noch nie dem einen oder der anderen PiratenpolitikerIn beim Twittern zugeschaut. Da hilft mit Sicherheit kein Realname, denn der wird gar nicht erst verschwiegen. Da hilft nicht mal die „Würde eines Amtes“, denn nicht wenige sind Abgeordnete/Kandidaten oder haben zumindest Funktionen innerhalb ihrer Partei inne. Da hilft anscheinend gar nichts mehr. Entsprechende Beispiele gefällig? Kein Problem, einfach hier klicken.

Die These „Anonymität weg = besserer Umgang miteinander“ läßt sich also in Windeseile widerlegen. Was im nichtdigitalen Leben aufgrund der allgemeinen Lebenserfahrung durchaus plausibel erscheint (unmittelbares Pöbeln ist aufgrund des leibhaftigen Gegenübers schwieriger als mittelbares Pöbeln), läßt sich nicht so ohne weiteres ins digitale Leben übertragen. Es greifen Eigengesetzlichkeiten, die man berücksichtigen muß. Daß ausgerechnet die Piraten hieran so oft gescheitert sind, zeigt meines Erachtens sehr deutlich, daß sie für die Bewältigung der digitalen Herausforderungen, vor denen unsere Gesellschaft – und nicht nur einige Nerds – steht, schlicht nicht die Richtigen sind. Für Empiriker dürfte der beste Beweis für das gesamtgesellschaftlich keineswegs überzeugende Verhalten der Piraten letztlich das Ergebnis der Bundestagswahl gewesen sein.


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