{"id":7634,"date":"2022-08-24T13:00:12","date_gmt":"2022-08-24T11:00:12","guid":{"rendered":"http:\/\/www.internetsoziologie.at\/de\/?p=7634"},"modified":"2022-09-16T16:21:42","modified_gmt":"2022-09-16T14:21:42","slug":"soziales-hetzwerk-ueber-hass-und-gewalt-im-politikbetrieb","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.internetsoziologie.at\/de\/2022\/08\/24\/soziales-hetzwerk-ueber-hass-und-gewalt-im-politikbetrieb\/","title":{"rendered":"Soziales Hetzwerk: \u00dcber Hass und Gewalt im Politikbetrieb"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"https:\/\/www.internetsoziologie.at\/de\/wp-content\/uploads\/2022\/08\/masz.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.internetsoziologie.at\/de\/wp-content\/uploads\/2022\/08\/masz.png\" alt=\"\" width=\"588\" height=\"787\" class=\"alignnone size-full wp-image-7636\" srcset=\"https:\/\/www.internetsoziologie.at\/de\/wp-content\/uploads\/2022\/08\/masz.png 588w, https:\/\/www.internetsoziologie.at\/de\/wp-content\/uploads\/2022\/08\/masz-224x300.png 224w\" sizes=\"auto, (max-width: 588px) 100vw, 588px\" \/><\/a><\/p>\n<p>Gestern war es social-media-m\u00e4\u00dfig ein wenig spannender als \u00fcblich. Ich bin bei Twitter mit PolitikerInnen aller im Bundestag vertretenen Parteien wechselseitig vernetzt (mit Ausnahme der AfD) und manchmal gef\u00e4llt mir einer ihrer Tweets oder ich twittere etwas \u00fcber ein Interview oder einen anderen Beitrag dieser Menschen. Und manchmal gef\u00e4llt das den Betroffenen, dann liken oder retweeten sie diesen Content. Manchmal bekomme ich einen Druko, vor allem, wenn meine Aktionen den Betroffenen nicht gefallen. Und manchmal passiert \u2026 nichts. So weit, so normal f\u00fcr Social Media.<\/p>\n<p>Doch es wird immer ein klein wenig intensiver, wenn die besonders prominenten und profilierten K\u00f6pfe mitmischen. Und gestern wurde mein Tweet \u00fcber eine aus meiner Sicht ganz allgemein sehr wahre Aussage von <a href=\"https:\/\/twitter.com\/MAStrackZi\">Marie-Agnes Strack-Zimmermann<\/a> auch von ihr retweetet. Fr\u00fch am Tag. Als einziger Retweet ihrerseits an diesem Tag. Um es an dieser Stelle kurz zusammenzufassen: Es wurden in der Folge sehr interessante Stunden.<\/p>\n<p>Dabei lesen sich die nackten Zahlen vielleicht gar nicht so mega-spektakul\u00e4r. Der Tweet wurde bis zum jetzigen Zeitpunkt 303-mal geliked, 46-mal retweetet und 250-mal kommentiert. Besonders interessant ist dabei der letzte Punkt, die Kommentare. Wer sich ein wenig mit Social-Media-Analysen auskennt, der ahnt, da\u00df es hoch her ging, denn normalerweise liegt das Engagement bei \u201enormalen\u201c Tweets auf den Likes, d.h. man erh\u00e4lt Zahlen wie 500 Likes, 10 Retweets und 30 Kommentare. Besonders drastisch wird es stets, wenn es mehr Kommentare als Likes gibt. So heftig wurde es hier (bisher) nicht, aber es wurde wild genug, um ausreichend viel Material f\u00fcr viele Seminare und Consultingsitzungen zu erhalten. Denn die Kommentare hatten es in sich. Hier ein paar Erkenntnisse:<\/p>\n<p>&#8211; Die Aussage meines Tweets ging meist unter. Stattdessen konzentrierte man sich in den Kommentaren auf die Aussage von Frau Strack-Zimmermann und stie\u00df sich vor allem am Wort \u201eOpferbereitschaft\u201c<\/p>\n<p>&#8211; Aufgrund dieser Fokussierung landete ich an diesem Tag als einer der Top-Twitterer mit dem Wort \u201eOpferbereitschaft\u201c in den deutschen Twitter-Trends<\/p>\n<p>&#8211; Beschimpfungen waren massenhaft zu finden, nicht selten von den \u201e\u00fcblichen Verd\u00e4chtigen\u201c, d.h. Kleinstaccounts, AfD-Fans, Querdeppen und anderen Hetzern und P\u00f6blern<\/p>\n<p>&#8211; Auch skurrile Drukos tauchten auf, mit sehr seltsamen, esoterischen oder einfach nur wirren (oftmals religionsbezogenen) Aussagen<\/p>\n<p>&#8211; Einige handfeste Drohungen gegen Frau Strack-Zimmermann und mich waren ebenfalls dabei<\/p>\n<p>Es wird noch viel mehr zu extrahieren geben, u.a. zeitliche und inhaltliche Aspekte der Reaktionen und die entstandenen Diskussionen unter dem Tweet, aber eine Sache ist und bleibt besonders markant: Der Aspekt der Beleidigungen und Bedrohungen. Man mag von PolitikerInnen jeweils halten was man will, man mag ihre Politik m\u00f6gen oder ablehnen, aber niemand, wirklich niemand sollte Gewaltandrohungen oder handfeste Beleidigungen erhalten. Wenn das schon bei \u201enur\u201c ca. 250 Kommentaren so derma\u00dfen deutlich ausf\u00e4llt, dann mag man sich kaum vorstellen, wie das bei noch gr\u00f6\u00dferer Reichweite, noch mehr Tweets oder noch kontroverseren Aussagen aussehen d\u00fcrfte. <\/p>\n<p>Dabei geht es mir nicht um die Tatsache, da\u00df in den sozialen Netzwerken Hass und Hetze so h\u00e4ufig vorkommen \u2013 das wissen wir leider alle schon seit langem und gegen diese Ausw\u00fcchse arbeite ja nicht nur ich, sondern auch zahlreiche weitere Kolleginnen und Kollegen u.a. in der Extremismusforschung. Es gibt aber stets ein paar besondere Erkenntnisse, die vielleicht auch nicht unbedingt neu, aber doch pr\u00e4gnant sind, weil man sie dann konkret erlebt und dieses Erleben besonders akzentuierend wirkt. Zum Beispiel wird bei so einem Tag sehr gut deutlich, warum PolitikerInnen Social-Media-Teams haben, warum Karl Lauterbach Personenschutz hat, warum die Arbeit gegen konkrete Hasstweets oder -kommentare mental anstrengend und schwierig ist und warum man ein sehr stabiler Charakter sein mu\u00df, um all dies auszuhalten. Ich habe keine Parteipr\u00e4ferenz, ich bin kein Parteimitglied und denke, da\u00df WissenschaftlerInnen auch keine AktivistInnen sein sollten, f\u00fcr keine Partei, aber ich stimme Frau Strack-Zimmermann (und anderen PolitikerInnen) zu, wann immer ich es f\u00fcr richtig halte und bewundere stets ihre Haltung und ihre politische Arbeitsleistung, denn dieser Job ist wahrlich nicht vergn\u00fcgungssteuerpflichtig. Und dumme Spr\u00fcche, Hass und Bedrohungen sind keine Erfahrung einzelner PolitikerInnen, sondern d\u00fcrften fr\u00fcher oder sp\u00e4ter leider jede\/n betreffen, auf europ\u00e4ischer, Bundes-, Landes- und auch \u2013 und das ist besonders schlimm \u2013 kommunaler Ebene. Wer meint, da\u00df PolitikerInnen sich digital mal nicht so anstellen sollen, dem empfehle ich einen Tag mit dem Social-Media-Team einer\/eines Abgeordneten. Danach d\u00fcrfte man anders denken. Und wem die Arbeit einer Politikerin oder eines Politikers nicht gef\u00e4llt, der sollte nicht hetzen, sondern sich demokratisch engagieren. Alles ist m\u00f6glich: von zivilisierter (!) Kritik bis zum demokratischen Kampf um ein Mandat.<\/p>\n<p>Um auf den Ausgangstweet zur\u00fcckzukommen: Es geht im Leben nicht immer nur um uns, es geht manchmal um mehr. Auch im digitalen Raum. Die Verteidigung von Demokratie und Menschenrechten ist eine Aufgabe f\u00fcr jedermann, eine Weg, der auch im Kleinen beschritten werden mu\u00df. Widerspruch, Haltung, Entschlossenheit \u2013 dies alles ist auch online wichtig. Aber auch das Erkennen der eigenen Grenzen, die Suche nach Hilfe, denn niemand ist unverwundbar. Gemeinsam ist diese Herausforderung aber bew\u00e4ltigbar, wenn wir alle ein Mindestma\u00df an Zivilit\u00e4t akzeptieren und sch\u00fctzen.<\/p>\n<p>Denn, ganz ehrlich: Die Alternative zu diesem Weg mag ich mir nicht vorstellen. Das wurde durch den gestrigen Tag wieder einmal deutlich.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Gestern war es social-media-m\u00e4\u00dfig ein wenig spannender als \u00fcblich. 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