{"id":6539,"date":"2017-07-26T09:10:09","date_gmt":"2017-07-26T07:10:09","guid":{"rendered":"http:\/\/www.internetsoziologie.at\/de\/?p=6539"},"modified":"2017-07-25T16:17:28","modified_gmt":"2017-07-25T14:17:28","slug":"sehr-gut-sehr-wahr-und-mal-wieder-sehr-traurig-die-deutsche-scheu-vor-neuem-denken","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.internetsoziologie.at\/de\/2017\/07\/26\/sehr-gut-sehr-wahr-und-mal-wieder-sehr-traurig-die-deutsche-scheu-vor-neuem-denken\/","title":{"rendered":"Sehr gut, sehr wahr &#8230; und mal wieder sehr traurig: die deutsche Angst vorm neuem Denken"},"content":{"rendered":"<p>Als ich folgende S\u00e4tze las, wurde ich neugierig:<\/p>\n<p>&#8220;Marcus Reif ist Personalchef der Unternehmensberatung Kienbaum Consultants International. Er sieht das deutsche Bildungssystem kritisch &#8211; aber auch die Art, wie viele Unternehmen ihre Mitarbeiter ausw\u00e4hlen.&#8221;<\/p>\n<p>(<a href=\"http:\/\/www.sueddeutsche.de\/karriere\/karriere-in-deutschland-menschen-mit-dem-groessten-potenzial-fallen-durchs-raster-1.3597913\">SZ<\/a>)<\/p>\n<p>Als ich folgende Passage las, wurde ich aufmerksam:<\/p>\n<p>Reif: &#8220;Ein Uli Hoene\u00df zum Beispiel bringt einen Antrieb mit, den Sie nicht bei allen Kandidaten finden. Er hat Au\u00dfergew\u00f6hnliches geleistet.&#8221;<\/p>\n<p>SZ: &#8220;Und au\u00dfergew\u00f6hnlich gezockt und betrogen. Steve Jobs war auch nicht f\u00fcr seine Freundlichkeit bekannt. Sind solche Genies nicht ein Risiko f\u00fcr den Betrieb und den Personaler? Wenn Ihr Kandidat das soziale Gef\u00fcge sprengt oder einen \u00f6ffentlichen Skandal verursacht, f\u00e4llt das auch auf Sie pers\u00f6nlich zur\u00fcck.&#8221;<\/p>\n<p>Reif: &#8220;Absolut. Das muss man in Kauf nehmen. Wir Deutschen sind gro\u00dfgeworden durch das Minimieren von Risiko &#8211; im Maschinenbau, der klassischen Industrie, und auch in der Atomenergie. Aus dem gleichen Grund waren wir aber auch immer sehr schlecht darin, Gesch\u00e4ftsmodelle zu generieren. <strong>Wenn wir k\u00fcnftig nicht den Mut zum Unkonventionellen haben, wird die deutsche Wirtschaft ihren Stellenwert in der Welt nicht halten. Diese Menschen sind ein Risiko, weil sie versuchen, Dinge anders zu machen als vorher. Das kann schiefgehen, wenn es vorher einigerma\u00dfen lief. Wenn Sie aber erkennen, dass Ihr Pfad irgendwann endet, zum Beispiel in der Dieseltechnologie, und Sie haben keinen Michael Dell, Mark Zuckerberg, Uli Hoene\u00df und manch anderen an Bord, die Ihnen helfen, den Diesel 2.0 zu erfinden, dann war es das.<\/strong>&#8221;<\/p>\n<p>(<a href=\"http:\/\/www.sueddeutsche.de\/karriere\/karriere-in-deutschland-menschen-mit-dem-groessten-potenzial-fallen-durchs-raster-1.3597913-3\">SZ<\/a>, mit eigener <strong>Betonung<\/strong>)<\/p>\n<p>Und als ich seine Begr\u00fcndung f\u00fcr diese &#8211; aus meiner Sicht v\u00f6llig korrekt beschriebene &#8211; typisch deutsche Misere las, konnte ich nur zustimmen:<\/p>\n<p>&#8220;Es hat sehr viel mit der Kultur zu tun. Wer in Deutschland einen Fehler macht, ist \u00fcber Jahre hinweg verbrannt. Mit einem Gescheiterten m\u00f6chte keiner zu tun haben. Die Perspektive, dass ich aus Fehlern lernen kann, gibt es viel zu wenig. Das m\u00fcssen wir \u00e4ndern, ohne den Leuten das Gef\u00fchl zu geben, sie h\u00e4tten sich jahrelang v\u00f6llig falsch verhalten.&#8221;<\/p>\n<p>Und ich teile seine Hoffnung:<\/p>\n<p>&#8220;Ich sehe die Generationen Y und Z als Chance. Da kommen Menschen, die wollen \u00fcber ihre Arbeitszeit und ihren Arbeitsort mitbestimmen, aber sie wollen auch \u00fcber Inhalte und Strategie mitreden. Das h\u00e4tte meine Generation sich nicht getraut. Man kann F\u00fchrungskr\u00e4ften zeigen, dass sich da drau\u00dfen etwas \u00e4ndert. Darauf m\u00fcssen sie aktiv reagieren, um in Zukunft mit dem ganzen Unternehmen bessere Arbeit zu leisten.&#8221;<\/p>\n<p>Wichtig ist nur anzumerken und klar zu betonen: es eilt! Je schneller der Wandel kommt, desto besser. Streng genommen ist er eh l\u00e4ngst \u00fcberf\u00e4llig. Die deutsche Gesellschaft steht sich oftmals unn\u00f6tigerweise selbst im Weg. Bei der Digitalisierung ist dies fast schon als klassisch zu bezeichnen. Leider.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Als ich folgende S\u00e4tze las, wurde ich neugierig: &#8220;Marcus Reif ist Personalchef der Unternehmensberatung Kienbaum Consultants International. 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