{"id":6511,"date":"2017-07-12T10:53:30","date_gmt":"2017-07-12T08:53:30","guid":{"rendered":"http:\/\/www.internetsoziologie.at\/de\/?p=6511"},"modified":"2017-07-12T10:53:30","modified_gmt":"2017-07-12T08:53:30","slug":"nicht-nur-wegen-g20-wissenschaft-ist-nicht-politik-und-wissenschaftlerinnen-sollten-keine-aktivistinnen-sein","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.internetsoziologie.at\/de\/2017\/07\/12\/nicht-nur-wegen-g20-wissenschaft-ist-nicht-politik-und-wissenschaftlerinnen-sollten-keine-aktivistinnen-sein\/","title":{"rendered":"Nicht nur wegen G20: Wissenschaft ist nicht Politik und WissenschaftlerInnen sollten keine AktivistInnen sein"},"content":{"rendered":"<p>Nicht wenige Kolleginnen und Kollegen betrachten ihr wissenschaftliches Wirken als Teil einer gr\u00f6\u00dferen Mission. Sie sind beispielsweise \u201eBewegungsforscher\u201c \u2013 aber nicht nur, weil sie soziale Bewegungen aus theoretischer oder methodischer Sicht interessieren, sondern weil sie (in diesen F\u00e4llen oftmals sehr weit links stehende) Sozialpolitik machen wollen. Ich halte das nicht nur f\u00fcr falsch, sondern f\u00fcr sch\u00e4dlich.<\/p>\n<p>Wenn mich ein Journalist anruft, geschieht das aufgrund meiner wissenschaftlichen Aktivit\u00e4ten. Diese Rolle f\u00fcr ein politisches Statement, f\u00fcr eine (partei)politische Positionierung jenseits von Demokratie und Menschenrechten zu mi\u00dfbrauchen, das halte ich f\u00fcr grundfalsch. Die Menschen nehmen uns, wenn wir als WissenschaftlerInnen sprechen, auch als WissenschaftlerInnen wahr \u2013 vor allem dann, wenn die Medienpr\u00e4senz entsprechend umfangreich ist. Dann ist man beispielsweise in meinem Falle \u201eder Internetsoziologe\u201c. Diesen Status dann mit einer politischen Botschaft rechter oder linker Couleur zu verbinden, ist meines Erachtens ein absolutes No-Go. ExpertInnen bzw. der ExpertInnenstatus sind in den letzten Jahren ohnehin schon massiv unter Druck geraten. (Stichworte w\u00e4ren hier u.a. Fake News und L\u00fcgenpresse.) Dagegen kann man in vielen F\u00e4llen als Einzelperson wenig tun, denn die gro\u00dfen Mechanismen sind nicht immer individuell beeinflu\u00dfbar, geschweige denn kontrollierbar. Aber man mu\u00df auch nicht noch \u00d6l ins Feuer gie\u00dfen. Denn was man individuell immer tun kann, ist: wissenschaftlich bleiben. Wer seine wissenschaftlichen Aussagen mit politischen Ideen vermischt, l\u00e4uft immer Gefahr, das Wissenschaftliche zu verf\u00e4lschen. Wer politisch aktiv sein will, mu\u00df dies sauber vom wissenschaftlichen Arbeiten trennen \u2013 oder besser noch: aktive Politik einfach sein lassen. <\/p>\n<p>Ich pers\u00f6nlich kann und will nur \u201eentweder \u2013 oder\u201c. Meine Entscheidung war f\u00fcr die Wissenschaft, d.h. Forschung und Lehre auf dem Boden des Grundgesetzes, eintretend f\u00fcr Demokratie und Menschenrechte im Falle ihrer Gef\u00e4hrdung. Proaktive politische Aktivit\u00e4ten, die dar\u00fcber hinausgehen, wurden und werden unterlassen. Da\u00df ich beispielsweise Vorsitzender des Netzwerks Terrorismusforschung bin, \u00e4ndert daran nichts: auch hier sind wir gem\u00e4\u00df Satzung und pers\u00f6nlicher Einstellung pro Demokratie \u2013 und gegen alle (!) Extremismen, die die freiheitlich-demokratische Grundordnung \u00fcberwinden wollen. Ob wir oder unsere Mitglieder CDU-, SPD-, Gr\u00fcnen- oder andere Parteimitglieder oder -anh\u00e4ngerInnen sind, ist uns egal \u2013 solange es demokratisch bleibt. Das ist das Maximum an Politik in der Wissenschaft, das ich vertreten kann. KollegInnen, die jedoch deutlich erkennbar \u201ePolitik machen\u201c, dies aber nicht entsprechend vom wissenschaftlichen Arbeiten trennen, dann ich leider nur sehr eingeschr\u00e4nkt ernstnehmen. Politisierung schadet meines Erachtens der Wissenschaft. Und zwar sehr deutlich. Manchmal mu\u00df man sich eben f\u00fcr eine Rolle entscheiden, so schwer es auch fallen mag.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nicht wenige Kolleginnen und Kollegen betrachten ihr wissenschaftliches Wirken als Teil einer gr\u00f6\u00dferen Mission. 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