{"id":6328,"date":"2016-11-14T08:10:47","date_gmt":"2016-11-14T07:10:47","guid":{"rendered":"http:\/\/www.internetsoziologie.at\/de\/?p=6328"},"modified":"2016-11-13T16:11:06","modified_gmt":"2016-11-13T15:11:06","slug":"die-rache-der-von-links-belehrten-und-die-afd","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.internetsoziologie.at\/de\/2016\/11\/14\/die-rache-der-von-links-belehrten-und-die-afd\/","title":{"rendered":"Die Rache der von links Belehrten: &#8230; und die AfD?"},"content":{"rendered":"<p>Nach meinem ersten Beitrag zum Thema &#8220;von links Belehrte&#8221; kamen erwartungsgem\u00e4\u00df einige Fragen von Leserinnen und Lesern. Die wahrscheinlich wichtigste Frage war: Ist das bei uns auch so? Soll hei\u00dfen: droht uns dasselbe Schicksal auch in Deutschland &#8211; nur mit der AfD statt mit Trump? Abgesehen von der Tatsache, da\u00df die AfD schon in mehreren Parlamenten sitzt und somit bereits einige Erfolge verzeichnen kann, w\u00fcrde ich aus medienanalytischer Sicht sagen: ja, die Wut der &#8220;von links Belehrten&#8221; wird auch bei uns (weiterhin) eine Rolle spielen. Dazu einige Beispiele aus den Medien:<\/p>\n<p>&#8220;Kretschmann pl\u00e4dierte daf\u00fcr, wie schon in einem umstrittenen Gastbeitrag vor einigen Wochen, die Auseinandersetzung mit dem politischen Gegner zu \u00fcberdenken. &#8220;Wir d\u00fcrfen es mit der Political Correctness nicht \u00fcbertreiben&#8221;, sagte er. <strong>Auch Menschen, &#8220;die ganz anders denken&#8221;, verdienten &#8220;Respekt und Klarheit&#8221;.<\/strong>&#8221;<\/p>\n<p>(Quelle: <a href=\"http:\/\/www.spiegel.de\/politik\/deutschland\/gruenen-parteitag-trittin-provoziert-kretschmann-bei-vermoegensteuer-a-1121002.html\">Spiegel Online<\/a>)<\/p>\n<p>&#8220;<strong>Die Volksparteien h\u00e4tten sich von den kleinen Leuten entfremdet.<\/strong> \u201eEs ist eine Mischung aus politischer Korrektheit und dem Versuch, Minderheiten einzubinden, die man als benachteiligt sieht.\u201c Eine falsch verstandene Etikette verhindere, dass bestimmte Dinge angesprochen werden k\u00f6nnten. Als er vor vier Jahren antisemitische Schimpftiraden von Nordafrikanern anprangern wollte, pfiffen ihn seine Fraktionskollegen zur\u00fcck. Die Gefahr, in die ausl\u00e4nderfeindliche Ecke gedr\u00e4ngt zu werden, war ihnen zu gro\u00df. Es mag auch pers\u00f6nliche Kr\u00e4nkungen gegeben haben. Wenig sp\u00e4ter jedenfalls war Bernhard Ochs kein Parteimitglied mehr. Nach vier Jahrzehnten in der SPD.&#8221;<\/p>\n<p>(Quelle: <a href=\"http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/politik\/inland\/die-volksparteien-verlieren-den-kleinen-mann-aus-den-augen-14523603-p5.html\">FAZ<\/a>)<\/p>\n<p>&#8220;Im Umgang mit dem Rechtspopulismus haben sich weite Teile der Scheinheiligen in eine manich\u00e4ische Weltanschauung gefl\u00fcchtet, <strong>eine moralische Zweiklassengesellschaft, in der es die progressiven Anst\u00e4ndigen gibt und die zur\u00fcckgebliebenen B\u00f6sewichter.<\/strong> (&#8230;) Aus dieser Frontstellung gibt es kein Entweichen. Mit dem \u201emore of the same\u201c werden die Gr\u00e4ben tiefer. (&#8230;) Trump will wie die AfD keine \u00f6konomisch egalit\u00e4re Gesellschaft, sondern eine, in der die Ansichten auch derjenigen geh\u00f6rt und respektiert werden, die von den Diskursw\u00e4chtern ausgeschlossen wurden. <strong>Zu glauben, der AfD sei mit einer noch puristischeren Form von politischer Korrektheit beizukommen, ist die im Augenblick g\u00e4ngigste Form des \u201emore of the same\u201c.<\/strong> (&#8230;) Als teutonisches Gegenmodell zu Dr. House darf Witta Pohl in den \u201eDrombuschs\u201c gelten, die gegen die Widrigkeiten des Alltags Integrit\u00e4t und Selbsterh\u00f6hung setzte. Die Drombuschs sprachen wie Teilnehmer eines Kirchentagspodiums. In dieser Serie aus den 80er-Jahren spricht das Biedermeier der Bonner Republik. Seitdem hat sich die Welt ver\u00e4ndert, aber Teile der Elite haben noch nicht erkannt, dass ihre Moral der \u00dcberbau eines Lebens in einer gesch\u00fctzten Freiheitsnische war, die die Amerikaner mit ihren Truppen milit\u00e4risch absicherten. Die Dinge werden anders, und wir in ihnen. <strong>Das ist auch eine Chance, wenn wir dazulernen und die Abgeh\u00e4ngten anh\u00f6ren und ernst nehmen, ohne sie abzuwerten.<\/strong>&#8221;<\/p>\n<p>(Quelle: <a href=\"https:\/\/www.welt.de\/debatte\/kommentare\/article159391987\/Die-deutschen-Eliten-brauchten-diesen-Trump-Schock.html\">Welt<\/a>; jeweils mit eigenen <strong>Betonungen<\/strong>)<\/p>\n<p>Da der Mechanismus der Belehrung meines Erachtens nach (1) recht stabil zu sein scheint, kann also die Antwort auf die Frage nach der AfD heute nur lauten: ja, die AfD hat weiterhin gro\u00dfe Chancen auf einen nicht nur knappen Einzug in den Bundestag 2017, und das hat eben nicht nur etwas mit Hass, Stereotypen oder Globalisierungsangst zu tun, sondern nicht gerade wenig mit den o.a. Beispielen, sprich: der Belehrung von links. (Siehe dazu auch mein Interview in der <a href=\"http:\/\/bazonline.ch\/digital\/internet\/die-sozialen-netzwerke-sind-ein-brandbeschleuniger\/story\/23290890\">Basler Zeitung<\/a>.)<\/p>\n<p>(1) Auf Basis der medienanalytischen Erkenntnisse im Onlinebereich seit 2012 &#8211; Details jederzeit gern auf Anfrage<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nach meinem ersten Beitrag zum Thema &#8220;von links Belehrte&#8221; kamen erwartungsgem\u00e4\u00df einige Fragen von Leserinnen und Lesern. Die wahrscheinlich wichtigste Frage war: Ist das bei uns auch so? 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