{"id":4142,"date":"2013-07-04T12:31:05","date_gmt":"2013-07-04T10:31:05","guid":{"rendered":"http:\/\/www.internetsoziologie.at\/de\/?p=4142"},"modified":"2013-07-04T12:31:05","modified_gmt":"2013-07-04T10:31:05","slug":"constanze-kurz-vom-chaos-computer-club-ccc-konnte-explodieren-willkommen-im-club","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.internetsoziologie.at\/de\/2013\/07\/04\/constanze-kurz-vom-chaos-computer-club-ccc-konnte-explodieren-willkommen-im-club\/","title":{"rendered":"Constanze Kurz vom Chaos Computer Club (CCC) k\u00f6nnte &#8220;explodieren&#8221;? Willkommen im Club!"},"content":{"rendered":"<p>Man braucht nicht viele Worte, um das Problem zu beschreiben. Zwei kurze Abs\u00e4tze reichen:<\/p>\n<p>&#8220;Constanze Kurz wirkte w\u00e4hrend der Sendung diverse Male, als w\u00fcrde sie gleich explodieren&#8221;<\/p>\n<p>Es geht um Anne Wills Diskussionsrunde und &#8211; nat\u00fcrlich &#8211; PRISM, siehe <a href=\"http:\/\/www.spiegel.de\/kultur\/tv\/prism-talk-bei-anne-will-machtlos-im-cyberspace-a-909352.html\">spiegel.de<\/a>. Und so eine Runde, das kann man aus der Beobachtung vorheriger Sendungen ruhig schlussfolgern, wird im weiteren Verlauf nicht selten immer schlimmer:<\/p>\n<p>&#8220;Die \u00dcberwachungsprogramme der NSA vermischten sich pl\u00f6tzlich mit personalisierter Internetwerbung, mit K\u00fcnasts Sorge vor dem Umgang mit ihren Kreditkartedaten. Pl\u00f6tzlich war da wieder dieses allgemeine Unbehagen gegen\u00fcber dem Digitalen, das hierzulande pr\u00e4zise und notwendige Diskussionen \u00fcbers Konkrete so oft verhindert und verw\u00e4ssert. &#8220;Wir sind letztlich Dateien&#8221;, sagte Michael St\u00fcrmer, Historiker und heute Chefkorrespondent von &#8220;Welt&#8221; und &#8220;Welt am Sonntag&#8221;, das sei eine &#8220;tief beunruhigende Entwicklung&#8221; getrieben von Technik, von realen und imaginierten Gefahren. Es sei bislang nicht gelungen, diese Entwicklung &#8220;moralisch, rechtlich und politisch in den Griff zu bekommen&#8221;.&#8221;<\/p>\n<p>(a.a.O.)<\/p>\n<p>Ja, und warum ist es nicht gelungen? Da kann es im Land der Ideen (Digitaler Radiergummi, Realnamenpflicht f\u00fcrs Internet, Netzsperren, &#8230;) nur eine Antwort geben: <strong>weil man nicht will!<\/strong> Weder die verantwortlichen Politikerinnen und Politiker noch gro\u00dfe Teile der Bev\u00f6lkerung kommen ihrer (Mit)Gestaltungspflicht ausreichend nach, sondern zeigen sich h\u00f6chstens &#8211; aus Kalk\u00fcl oder echter \u00dcberraschung &#8211; \u00fcberrascht und &#8211; Achtung, Buzzwordalarm! &#8211; emp\u00f6rt, wenn Ereignisse wie die PRISM-Enth\u00fcllung auftreten. Das ist ja auch einfacher, als sich auf eine stille Revolution einzulassen, die einen auch mal so richtig herausfordert. Aber so wird das nichts. Ich sehe deshalb einige meiner wesentlichen Thesen entsprechend bekr\u00e4ftigt:<\/p>\n<p>&#8211; PRISM wirkt, weil das Abstrakte (= Digitalisierung, digitale Revolution, Digitaltechnik) nun mal sehr konkret wird. Damit wird deutlich, da\u00df eine stille Revolution wie die Digitalisierung aufgrund des essentiellen Elements der Abstraktheit eine entsprechende Herausforderung ist. Erst das Konkrete weckt anscheinend viele Menschen auf. Daran wird es aber auch in Zukunft mangeln, da der Kern der Digitalisierung abstrakt bleiben wird. Es wird nicht f\u00fcr jede Entwicklung ein konkretes, plakatives Beispiel geben, welches Prozesse derma\u00dfen transparent macht wie jetzt PRISM. Ergo: nur wer mit der Abstraktheit (0 und 1, Von-Neumann-Architektur, Prozessordesign, Hochsprachen, etc.) umgehen kann, kann Digitalisierung dauerhaft erfolgreich verstehen &#8211; und mitgestalten.<\/p>\n<p>&#8211; Deutschland widmet sich der Digitalisierung inhaltlich nicht ausreichend. In einem Land, welches Hochtechnologie an sich problemlos entwickeln kann, ja sogar Weltmarktf\u00fchrer in so vielen Bereichen ist, kann es somit nicht am K\u00f6nnen, sondern nur am Wollen liegen. Ahnungslose Politikdebatten zeigen dies auch hier wieder beeindruckend. Auch in diesem Fall hat sich nichts ge\u00e4ndert. Inhaltliche Ahnungslosigkeit in Sachen Digitalisierung gilt anscheinend als Mittel der Wahl, um klarzumachen, da\u00df man von nichts gewu\u00dft habe. Und die B\u00fcrger scheinen es zu akzeptieren: ist ja auch verflixt komplexes Zeug, diese Digitalisierung! Sowas aber auch! Da kann einen der Silicon-Valley-Nerd schon mal digital \u00fcber den Tisch ziehen!<\/p>\n<p>&#8211; Die Musik spielt l\u00e4ngst woanders und ein Aufholen dieser Entwicklung wird von Tag zu Tag schwieriger. Ich sehe immer wieder zwei Kontinente, die in Sachen Digitalisierung (nicht nur &#8220;Internet&#8221; bzw. &#8220;WWW&#8221;!) weit vorne sind: Amerika (sprich: USA) und Asien (sprich: China, Japan, S\u00fcdkorea). Dies best\u00e4tigt sich auch hier, auch in Anne Wills Runde. Was soll man schon machen, die Amis und die Chinesen haben eh alles im Griff. &#8220;Wir sind letztlich Dateien&#8221;.<\/p>\n<p>Na, dann: gute Nacht.<\/p>\n<p>P.S.: Es gibt gerade in der Wissenschaft zunehmend mehr exzellente Kolleginnen und Kollegen, die hier wunderbare Arbeit leisten, doch das reicht letztlich nicht, wenn man an den entscheidenden Stellen nicht will und das gro\u00dfe Ganze nicht sieht. Die Gestaltung der Digitalisierung ist eine Aufgabe von nationalem Rang, aber diese Erkenntnis ist offenbar noch immer nicht \u00fcberall angekommen. Dieser Appell geht deshalb nicht an Wissenschaft und Wirtschaft, sondern in Richtung Politik und Bev\u00f6lkerung. Hier ist noch sehr viel Arbeit zu leisten!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Man braucht nicht viele Worte, um das Problem zu beschreiben. Zwei kurze Abs\u00e4tze reichen: &#8220;Constanze Kurz wirkte w\u00e4hrend der Sendung diverse Male, als w\u00fcrde sie gleich explodieren&#8221; Es geht um &hellip; <\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[],"class_list":["post-4142","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-allgemein"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.internetsoziologie.at\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/4142","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.internetsoziologie.at\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.internetsoziologie.at\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.internetsoziologie.at\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.internetsoziologie.at\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=4142"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.internetsoziologie.at\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/4142\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.internetsoziologie.at\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=4142"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.internetsoziologie.at\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=4142"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.internetsoziologie.at\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=4142"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}