{"id":2599,"date":"2012-02-01T14:56:20","date_gmt":"2012-02-01T13:56:20","guid":{"rendered":"http:\/\/www.internetsoziologie.at\/de\/?p=2599"},"modified":"2012-02-01T14:56:20","modified_gmt":"2012-02-01T13:56:20","slug":"der-erste-arbeitsbereich-internetsoziologie-deutschlands-wird-massiv-ausgebaut","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.internetsoziologie.at\/de\/2012\/02\/01\/der-erste-arbeitsbereich-internetsoziologie-deutschlands-wird-massiv-ausgebaut\/","title":{"rendered":"Der erste &#8220;Arbeitsbereich Internetsoziologie&#8221; Deutschlands wird massiv ausgebaut"},"content":{"rendered":"<p>Seit einigen Jahren bin ich nun dank der tatkr\u00e4ftigen Unterst\u00fctzung des nimmerm\u00fcden Medienpioniers und digitalen Vision\u00e4rs Prof. Joachim Sauter internetsoziologisch an der Universit\u00e4t der K\u00fcnste Berlin aktiv. Es fing 2006 ganz klein mit einem Lehrauftrag und der spontanen \u00dcbernahme von Diplompr\u00fcfungen (durch den unerwarteten Tod von Prof. Gerburg Treusch-Dieter) an &#8211; und es war ein echtes Experiment, basierend nur auf einer Idee, die Joachim Sauter als erster (und erstaunlicherweise auch lange als einziger) f\u00fcr gut befand: die Analyse von Internet und Gesellschaft durch einen Soziologen, kurz: Internetsoziologie.<br \/>\n<!--more--><\/p>\n<p>Erfreulich schnell wurde mein Forschungsseminar fester Bestandteil des Curriculums und die Zahl der internen und externen Interessierten stieg kontinuierlich an. \u00dcberraschend fix erreichten wir auch Kapazit\u00e4tsgrenzen im Seminar, zudem gab es Dutzende Vordiplom- und Diplompr\u00fcfungen, von denen viele direkt auf den Ideen aus dem Seminar fu\u00dften. Papers entstanden, Vortr\u00e4ge wurden gehalten, mein Buch &#8220;Digitale Identit\u00e4ten&#8221; wurde lobend als erster internetsoziologischer Ansatz bezeichnet. Der Begriff &#8220;Internetsoziologie&#8221; schien sich langsam, aber sicher zu etablieren, das Experiment schien zu gelingen.<\/p>\n<p>Dabei war der Weg &#8211; wenig \u00fcberraschend &#8211; keineswegs immer leicht. Wer den Hochschulbetrieb kennt, der wei\u00df, was ich meine. Des\u00f6fteren stellte sich vor allem aufgrund der Rahmenbedingungen die Frage nach der Sinnhaftigkeit eines solchen Vorhabens. Warum unbedingt etwas Eigenes aufbauen, und dann noch in dieser Gr\u00f6\u00dfenordnung? Warum nicht einfach in jemandes Fu\u00dfstapfen treten, die Stellen so annehmen, wie man sie kriegt? Warum unbedingt m\u00fchsame, riskante Pionierarbeit leisten &#8211; und das in einem Land, in dem es gerade im Bereich der Digitalisierungsanalyse offenkundig enorme Defizite gibt und in dem die f\u00fcr die Universit\u00e4ten verantwortlichen Politikerinnen und Politiker zwar gerne von der Bildungsrepublik Deutschland sprechen, doch oftmals nicht einmal wissen, wie soziale Netzwerke funktionieren? Und all dies nicht von einer sicheren Professur aus, sondern von Beginn an, direkt nach dem Diplom? Gute, absolut berechtigte Fragen stellten sich, und zwar immer und immer wieder.<\/p>\n<p>Und nat\u00fcrlich gibt es viele passende Antworten und viele Faktoren, die zu der Entscheidung, letztlich doch kontinuierlich weiterzumachen, beigetragen haben, doch wenn ich nur eine einzige Antwortm\u00f6glichkeit ausw\u00e4hlen d\u00fcrfte, dann w\u00e4re es diese: intrinsische Motivation. Eigentlich ein Wissenschaftsklassiker, aber meiner Erfahrung nach viel zu selten vorzufinden. Bei Joachim Sauter fand ich diesen inneren Antrieb, auch bei den Kolleginnen und Kollegen, die sich weltweit sehr engagiert der Analyse der Digitalisierung unserer Gesellschaft widmen, z.B. in der Association of Internet Researchers (AoIR). Und diese Menschen haben mich durch ihre Haltung und ihr Handeln zweifellos motiviert.<\/p>\n<p>Viel zu viele Menschen im Unibetrieb wollen leider gar nichts wagen, hatten wenig Verst\u00e4ndnis oder &#8211; noch viel schlimmer &#8211; gar kein Interesse am (und auch keine Ahnung vom) Internet. Wenn man sich die revolution\u00e4re Entwicklung des Netzes in den vergangenen zwei Jahrzehnten anschaut, mag eine solche Verweigerungshaltung nicht nur aus der Expertenperspektive geradezu abenteuerlich erscheinen. Doch sie ist mir viel h\u00e4ufiger begegnet als anfangs erwartet. Dabei ging es mir mit meiner Idee ja nicht darum, den einzig gangbaren Weg predigen zu wollen, sondern ganz grunds\u00e4tzlich eine sozialwissenschaftliche Digitalisierungsanalyse zu starten.<\/p>\n<p>Wie gesagt: man brauchte schon ein sehr gro\u00dfes Vertrauen in die eigene Idee, \u00fcber etliche Jahre, \u00fcber einige ziemlich harte Durststrecken hinweg. Man brauchte die \u00dcberzeugung, da\u00df die Zeit einem recht geben wird. Und man brauchte die Unterst\u00fctzung von Menschen, die \u00fcber den Tellerrand hinausschauen und denen auch ein Scheitern der Idee nicht als Makel erschienen w\u00e4re, sondern als Zeugnis von Wagemut und Pioniergeist (etwas, woran es meiner \u00dcberzeugung nach in diesem Land gerade in Hinblick auf das Internet eklatant mangelt).<\/p>\n<p>Nun ist es anhand der \u00dcberschrift leicht zu erkennen: die Idee ist nicht gescheitert, ganz im Gegenteil. Sie tritt mit dem heutigen Tage in eine neue Phase ein. \u00dcber neue Projekte und Mitstreiter wird es bereits in K\u00fcrze offizielle Verlautbarungen geben, doch soviel sei schon jetzt verraten: die sozialwissenschaftliche Digitalisierungsanalyse, die ich unter dem Label &#8220;Internetsoziologie&#8221; durchf\u00fchre, wird f\u00fcr die kommenden Jahre meine Hauptt\u00e4tigkeit sein. Das Wagnis hat sich f\u00fcr die UdK, so meine \u00dcberzeugung, letztlich ausgezahlt und deshalb wurde und wird der Arbeitsbereich Internetsoziologie ganz offiziell deutlich ausgebaut. An der einzigen Universit\u00e4t, die von Beginn an Unterst\u00fctzung gew\u00e4hrt hat, vor allem in Person von Joachim Sauter. Ihm gilt deshalb ganz besonderer Dank! Ebenso danke ich den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der UdK, die sich im Vorfeld mit meinem Vorhaben besch\u00e4ftigt und vieles m\u00f6glich gemacht haben sowie nat\u00fcrlich den Projektpartnern, von denen schon bald viel Spannendes zu h\u00f6ren sein d\u00fcrfte. Und sp\u00e4testens mit der Er\u00f6ffnung des Alexander-von-Humboldt-Instituts f\u00fcr Internet und Gesellschaft (HIIG) im vergangenen Jahr d\u00fcrfte auch den letzten Skeptikern klar geworden sein, da\u00df die UdK genau der richtige Ort f\u00fcr diese Arbeit ist.<\/p>\n<p>\u201eWer k\u00e4mpft, kann verlieren. Wer nicht k\u00e4mpft, hat schon verloren&#8221;. Was soll ich sagen? Brecht hatte wieder einmal Recht.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Seit einigen Jahren bin ich nun dank der tatkr\u00e4ftigen Unterst\u00fctzung des nimmerm\u00fcden Medienpioniers und digitalen Vision\u00e4rs Prof. Joachim Sauter internetsoziologisch an der Universit\u00e4t der K\u00fcnste Berlin aktiv. 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