{"id":24131,"date":"2026-09-14T07:47:04","date_gmt":"2026-09-14T05:47:04","guid":{"rendered":"https:\/\/www.internetsoziologie.at\/de\/?p=24131"},"modified":"2026-09-05T18:08:05","modified_gmt":"2026-09-05T16:08:05","slug":"introspektive-interventionen-kaboom-digitale-kultur-und-die-arbeit-mit-ideen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.internetsoziologie.at\/de\/2026\/09\/14\/introspektive-interventionen-kaboom-digitale-kultur-und-die-arbeit-mit-ideen\/","title":{"rendered":"Introspektive Interventionen: KABOOM!, digitale Kultur und die Arbeit mit Ideen"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"https:\/\/www.internetsoziologie.at\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/CSM-KABOOM-scaled.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-medium wp-image-24133\" src=\"https:\/\/www.internetsoziologie.at\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/CSM-KABOOM-300x169.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"169\" srcset=\"https:\/\/www.internetsoziologie.at\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/CSM-KABOOM-300x169.jpg 300w, https:\/\/www.internetsoziologie.at\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/CSM-KABOOM-1024x576.jpg 1024w, https:\/\/www.internetsoziologie.at\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/CSM-KABOOM-768x432.jpg 768w, https:\/\/www.internetsoziologie.at\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/CSM-KABOOM-1536x864.jpg 1536w, https:\/\/www.internetsoziologie.at\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/CSM-KABOOM-2048x1152.jpg 2048w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><\/p>\n<p>Mein letzter Beitrag und quasi ein Abschiedsh\u00f6hepunkt f\u00fcr das Computerspielemuseum Berlin, nach einer jahrelangen Beziehung zu dieser Institution auf wissenschaftlich-analytischer Ebene, war im Jahr 2017 die Sonderausstellung \u201eKABOOM! \u2013 Games &amp; Comic\u201c, die auf Basis einer meiner Ideen entstand und Comics von Ingo Stein (\u201eRockus\u201c) zeigte.<br \/>\n<!--more--><\/p>\n<p>F\u00fcr mich war das Computerspielemuseum stets ein besonders anschauliches Beispiel daf\u00fcr, wie vielf\u00e4ltig Digitalisierung als gesellschaftliches Ph\u00e4nomen tats\u00e4chlich ist. Wer Digitalisierung allein als technische Entwicklung, als Geschichte von Ger\u00e4ten, Software oder Infrastruktur begreift, sieht nur einen Teil des Ganzen \u2013 oder, noch schlimmer: nur Einzelteile. Computerspiele aber verbinden Technik mit Kultur, Wirtschaft, Sozialisation, \u00c4sthetik, Kommunikation, Erinnerung und Popul\u00e4rkultur. Genau deshalb war die Arbeit mit dem Museum f\u00fcr mich aus wissenschaftlicher Perspektive interessant: Dort wurde sichtbar, wie viele unterschiedliche gesellschaftliche Ebenen sich in digitalen Gegenst\u00e4nden \u00fcberlagern.<\/p>\n<p>\u201eKABOOM!\u201c war daf\u00fcr ein besonders sch\u00f6nes Projekt. Ausgangspunkt war die Idee, zwei kulturelle Formen miteinander in Beziehung zu setzen, die auf den ersten Blick unterschiedlichen Welten angeh\u00f6ren: Computerspiele und Comics. Tats\u00e4chlich gibt es zwischen beiden zahlreiche Verbindungen \u2013 visuell, erz\u00e4hlerisch, historisch und kulturell. Figuren wandern von einem Medium ins andere, Gestaltungsformen beeinflussen sich gegenseitig, und beide Medien haben \u00fcber Jahrzehnte ihre eigenen Bildsprachen und Erz\u00e4hlkonventionen entwickelt.<\/p>\n<p>Gerade die konzeptionelle Arbeit an einer Sonderausstellung war f\u00fcr mich reizvoll. Eine Ausstellung beginnt schlie\u00dflich lange vor dem Aufbau von Vitrinen und Tafeln. Zun\u00e4chst steht eine Idee im Raum: Was k\u00f6nnte interessant sein? Welche \u00fcberraschende Verbindung l\u00e4sst sich sichtbar machen? Was tr\u00e4gt \u00fcber einen kurzen Einfall hinaus? Wie l\u00e4sst sich daraus eine Geschichte entwickeln, die f\u00fcr Besucherinnen und Besucher nachvollziehbar und zugleich interessant ist? Ich bin sehr dankbar, dass ich daf\u00fcr mit Ingo Stein zusammenarbeiten konnte. Seine Arbeit hatte die Relevanz, die so eine Ausstellung braucht.<\/p>\n<p>Solche Aufgaben wie diese Ausstellung empfinde ich bis heute als ausgesprochen horizonterweiternd. Sie zwingen dazu, den gewohnten fachlichen Rahmen zu verlassen und mit Menschen zusammenzuarbeiten, die Gegenst\u00e4nde aus anderen Perspektiven betrachten. Museumsarbeit stellt andere Fragen als Forschung oder Lehre. Eine gute Idee muss dort nicht nur analytisch \u00fcberzeugen, sondern auch r\u00e4umlich, visuell und erz\u00e4hlerisch funktionieren.<\/p>\n<p>Besonders gern erinnere ich mich dabei auch an die Zusammenarbeit mit Andreas Lange. Er hat die Idee zu \u201eKABOOM!\u201c unterst\u00fctzt und mit seiner Erfahrung im Bereich Computerspielkultur und Museumsarbeit wesentlich dazu beigetragen, dass aus einer zun\u00e4chst abstrakten \u00dcberlegung eine reale Sonderausstellung werden konnte. Genau solche Konstellationen machen interdisziplin\u00e4re Projekte interessant: Jemand bringt eine Idee ein, andere pr\u00fcfen, erg\u00e4nzen, \u00fcbersetzen und realisieren sie \u2013 und am Ende entsteht etwas, das keiner der Beteiligten allein in genau dieser Form geschaffen h\u00e4tte.<\/p>\n<p>F\u00fcr mich geh\u00f6rte diese Art der Arbeit allerdings nie in eine v\u00f6llig andere Kategorie als meine wissenschaftliche T\u00e4tigkeit. Im Gegenteil: Ideenfindung, Innovation und das Erkennen ungew\u00f6hnlicher Zusammenh\u00e4nge sind ein wesentlicher Bestandteil dessen, womit ich mich t\u00e4glich besch\u00e4ftige. Innovation beginnt nicht erst dort, wo eine neue Technologie entwickelt wird. Sie beginnt h\u00e4ufig viel fr\u00fcher \u2013 bei einer neuen Frage, einer \u00fcberraschenden Verbindung oder einer Perspektive, die bislang nicht eingenommen wurde. <\/p>\n<p>Deshalb sind solche Projekte f\u00fcr mich auch keine blo\u00dfen Ausfl\u00fcge aus dem wissenschaftlichen Alltag. Sie geh\u00f6ren zu ihm. Das ist Wissenschaft. Forschung, Lehre, Beratung und konzeptionelle Projektarbeit unterscheiden sich zwar in ihren Ergebnissen, beruhen aber erstaunlich oft auf denselben F\u00e4higkeiten: Zusammenh\u00e4nge erkennen, Bekanntes neu kombinieren, Hypothesen entwickeln, M\u00f6glichkeiten pr\u00fcfen und aus einer zun\u00e4chst vagen Idee etwas Tragf\u00e4higes entstehen lassen. Und nicht immer muss alles gelingen. Wissenschaft darf auch mal ohne verwertbares Ergebnis stattfinden. Hier gab es aber ein Ergebnis, und zwar nicht nur ein sehr konkretes, sondern auch ein besonders sch\u00f6nes.<\/p>\n<p>Meine Zusammenarbeit mit dem Computerspielemuseum habe ich 2017 aus Zeitgr\u00fcnden beendet. Das war keine Entscheidung gegen diese Arbeit \u2013 im Gegenteil. Ich habe die Beratung, die Mitarbeit an Projekten dort immer sehr gern gemacht. Gerade weil solche besonderen Aufgaben den eigenen Horizont erweitern, bleiben sie auch lange in Erinnerung. Und manchmal braucht es Jahre sp\u00e4ter nur ein altes Foto, um sich wieder daran zu erinnern, wie vielf\u00e4ltig die eigene Besch\u00e4ftigung mit Digitalisierung eigentlich immer gewesen ist. Alles kann man nicht wissen in diesem gigantischen Themenfeld. Aber man kann sich \u00fcberraschend oft sinnvoll einbringen. Und manchmal f\u00fchrt das sogar zu ganz wunderbaren, inspirierenden, einfach sch\u00f6nen Ergebnissen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Mein letzter Beitrag und quasi ein Abschiedsh\u00f6hepunkt f\u00fcr das Computerspielemuseum Berlin, nach einer jahrelangen Beziehung zu dieser Institution auf wissenschaftlich-analytischer Ebene, war im Jahr 2017 die Sonderausstellung \u201eKABOOM! \u2013 Games &hellip; <\/p>\n","protected":false},"author":5,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[],"class_list":["post-24131","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-allgemein"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.internetsoziologie.at\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/24131","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.internetsoziologie.at\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.internetsoziologie.at\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.internetsoziologie.at\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/5"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.internetsoziologie.at\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=24131"}],"version-history":[{"count":5,"href":"https:\/\/www.internetsoziologie.at\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/24131\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":24137,"href":"https:\/\/www.internetsoziologie.at\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/24131\/revisions\/24137"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.internetsoziologie.at\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=24131"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.internetsoziologie.at\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=24131"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.internetsoziologie.at\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=24131"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}