{"id":2344,"date":"2011-10-24T23:21:05","date_gmt":"2011-10-24T21:21:05","guid":{"rendered":"http:\/\/www.internetsoziologie.at\/de\/?p=2344"},"modified":"2011-10-24T23:21:05","modified_gmt":"2011-10-24T21:21:05","slug":"original-oder-kopie-innovation-in-wissenschaft-und-wirtschaft","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.internetsoziologie.at\/de\/2011\/10\/24\/original-oder-kopie-innovation-in-wissenschaft-und-wirtschaft\/","title":{"rendered":"Original oder Kopie? Innovation in Wissenschaft und Wirtschaft"},"content":{"rendered":"<p>\u00dcbermorgen werde ich Teil des Workshops <a href=\"http:\/\/berlinsymposium.org\/session\/business-models-0\">&#8220;Business Models&#8221;<\/a> auf dem &#8220;1st Symposium on Internet and Society&#8221; in Berlin sein, was mich sehr freut. Das sieht vielleicht auf den ersten Blick nicht nach Internetsoziologie aus, auf den zweiten Blick wird jedoch deutlich, da\u00df es &#8211; gerade in Hinblick auf die Symposiums-Metaebene &#8220;Internet und Gesellschaft&#8221; &#8211; exakt um einen essentiellen Kernbereich meiner Arbeit (und damit auch wieder um Internetsoziologie) geht: Innovation.<br \/>\n<!--more--><\/p>\n<p>Passend dazu bringt heise.de heute einen kurzen <a href=\"http:\/\/www.heise.de\/newsticker\/meldung\/Krach-in-Berliner-Gruenderszene-1365891.html\">Artikel<\/a> \u00fcber einen &#8220;Krach in [der] Berliner Gr\u00fcnderszene&#8221;. Ein <a href=\"http:\/\/www.lukaszgadowski.com\/assoziale-hetzkampagne-von-6wunderkidern-in-berliner-start-up-szene\">Disput<\/a> soll aufgrund eines Aufrufs zur <a href=\"http:\/\/www.6wunderkinder.com\/blog\/2011\/08\/09\/founders-stand-up-the-anti-copycat-revolution-starts-now\/\">&#8220;anti-copycat revolution&#8221;<\/a> entstanden sein: es geht dabei um die (nicht neue) Debatte, ob in der Digitalen Wirtschaft in Berlin\/Deutschland &#8220;nur&#8221; kopiert oder auch eigene Inhalte erfunden werden. Der (m.E. v\u00f6llig korrekt wiedergegebene) Eindruck: die gro\u00dfen digitalen Innovationen (d.h. Websites, Firmen, Projekte) stammen grunds\u00e4tzlich aus den USA oder anderen L\u00e4ndern wie China. In Deutschland hingegen beschr\u00e4nkt man sich ebenso grunds\u00e4tzlich auf das Kopieren solcher Ideen. <a href=\"http:\/\/www.gruenderszene.de\/allgemein\/samwer-bruder\">Beispiele: Alando, StudiVZ, Zalando.<\/a><\/p>\n<p>Nun mu\u00df man diese Kopieridee nicht zwangsl\u00e4ufig schlecht oder verwerflich finden. Aus wirtschaftlicher Sicht mag es durchaus Sinn ergeben, eher auf eine ziemlich sichere Sache zu setzen als volles Risiko mit einer brandneuen Idee zu fahren. Aus Innovationssicht f\u00fchrt diese Strategie nat\u00fcrlich maximal auf den zweiten Platz des Siegertreppchens, auch wenn dies vielleicht in der breiten \u00d6ffentlichkeit (die ja meist die Zielgruppe ist) keine Rolle spielen mag und deshalb h\u00f6chstens szeneintern f\u00fcr Gefl\u00fcster &#8211; oder Gebr\u00fcll, siehe oben &#8211; sorgen mag. <\/p>\n<p>Logischerweise kann selbst der beste Kopierer nicht innovativer sein als das Original, was zu der Frage f\u00fchrt, warum das Original denn \u00fcberhaupt so entscheidend sein soll. Befinden wir uns nicht seit Jahren in einer permanenten Wirtschaftskrisensituation, die gerade uns, den Mitgliedern der Eurozone, Demut und Bescheidenheit lehren sollte? So nach dem Motto: immerhin haben wir, was wir haben, und damit sind wir bisher gar nicht so schlecht gefahren. Die staatlichen Kassen sind leer, Banken und EU-L\u00e4nder kriseln &#8211; pa\u00dft da eine gewagte Innovationskultur \u00fcberhaupt in die Landschaft?<\/p>\n<p>Meine Meinung ist da ziemlich eindeutig: ja. Denn Innovation im digitalen Bereich ist etwas, was sich definitiv auszahlt &#8211; vor allem, wenn man der Trendsetter und nicht nur der Kopierer ist:<\/p>\n<p>&#8220;So kann sich die Netz-Industrie, die sich l\u00e4ngst vom eher lethargischen Rest der US-Wirtschaft abgekoppelt hat, auf dem Gipfeltreffen ungest\u00f6rt selbst feiern. &#8220;Wir k\u00f6nnen uns wahnsinnig gl\u00fccklich sch\u00e4tzen, die Internet-Branche erlebt derzeit eine beispiellose Zeit&#8221;, sagt Mary Meeker von der weltweit f\u00fchrenden Wagniskapital-Firma Kleiner Perkins Caufield &#038; Byers, die unter anderem bei Facebook, Spotify und Twitter investiert ist. E-Commerce werde weiter extrem wachsen, ebenso der Tablet- und Smartphone-Markt, der Plattform-Wechsel vom Web zur Cloud werde wieder ganz neue, radikal neue M\u00f6glichkeiten schaffen.&#8221;<\/p>\n<p><em>(Quelle: <a href=\"http:\/\/www.spiegel.de\/netzwelt\/web\/0,1518,792802,00.html\">SpOn<\/a>) <\/em><\/p>\n<p>Schon allein aus wirtschaftlicher Sicht d\u00fcrfte sich deshalb meines Erachtens hier gar keine Frage stellen: Nat\u00fcrlich ist es notwendig, selbst innovativ und erfinderisch und nicht nur ein guter Kopierer zu sein. <em>Wie <\/em>man dies hinbekommt &#8211; jenseits von Versuch und Irrtum -, das wird die Frage sein, die es zuk\u00fcnftig noch st\u00e4rker als bisher zu beantworten gilt. <\/p>\n<p>Und genau darum wird es eben auch im oben bereits erw\u00e4hnten Workshop am Mittwoch gehen, denn die Digitale Klasse, in der ich seit \u00fcber f\u00fcnf Jahren t\u00e4tig bin und die ich am Mittwoch auf dem Symposium entsprechend repr\u00e4sentieren m\u00f6chte, geh\u00f6rt inzwischen zu den besonders innovativen k\u00fcnstlerisch-wissenschaftlichen Keimzellen hier in Berlin. Unsere Team- und Projektstrategien haben sich als sehr erfolgreich erwiesen und d\u00fcrften in naher Zukunft &#8211; auch aufgrund des neuen Instituts f\u00fcr Internet und Gesellschaft, an dem die UdK ma\u00dfgeblich beteiligt ist &#8211; noch weiter ausgebaut werden. Das Ziel ist, eine dichte Verwebung von Kunst, Wissenschaft und Wirtschaft zu erschaffen, die transdisziplin\u00e4r und langfristig vorgeht und sich gleicherma\u00dfen Grundlagen- wie anwendungsorientierter Forschung widmet. Denn nur so wird das ganze Spektrum abgedeckt: von der Idee bis zum Endergebnis, sei es eine soziale Strategie, ein Patent oder ein Produkt.<\/p>\n<p>Die im letzten halben Jahrzehnt im Rahmen meiner T\u00e4tigkeit in der Klasse gewonnenen Erkenntnisse d\u00fcrften hier eine bedeutende Rolle spielen, gerade wenn es um eine Methodologisierung geht, die uns digitale Handlungs- und Verhaltensstrategien aufzeigen soll. Denn selbstverst\u00e4ndlich ist die Unsicherheit bei der Unterst\u00fctzung bspw. Finanzierung eines brandneuen Startups nachvollziehbar: nur wenig ist kalkulierbar, vieles geschieht auf Vertrauensbasis. Zudem ist die Digitalisierung eine echte Revolution, was die Anwendung bisheriger Strategien bzw. \u00dcberleitung von analogen Methoden in digitale Szenarien erschwert und f\u00fcr zus\u00e4tzliche Nervosit\u00e4t sorgen kann. Dies empfindet der einzelne User, der sich m\u00fchsam mit neuen digitalen Entwicklungen und ihren Folgen zurechtfinden mu\u00df, wohl kaum anders. Hier gilt es deshalb <em>soziale <\/em>(und <em>nicht technische<\/em>) Strategien und Methoden zu entwickeln, die wirksam Abhilfe schaffen (beispielsweise &#8220;Sociality by design&#8221;, in Anlehnung an &#8220;Privacy and legality by design&#8221;).<\/p>\n<p>Ich bin deshalb sehr gespannt auf den Workshop am Mittwoch und hoffe bei einer solch umfangreichen Anzahl von Experten auf eine sehr kreative Runde. Die Digitale Klasse wird an diesem Thema auf jeden Fall dranbleiben, soviel steht fest. Das morgen startende <a href=\"http:\/\/entropie.digital.udk-berlin.de\/wiki\/Networked_Systems_Wintersemester_2011\/2012\">Forschungsseminar &#8220;Networked Systems&#8221;<\/a> wird sich <a href=\"http:\/\/entropie.digital.udk-berlin.de\/wiki\/Networked_Systems_Wintersemester_2011\/2012\">diesem Thema<\/a> das ganze Semester \u00fcber intensiv widmen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u00dcbermorgen werde ich Teil des Workshops &#8220;Business Models&#8221; auf dem &#8220;1st Symposium on Internet and Society&#8221; in Berlin sein, was mich sehr freut. 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