{"id":14795,"date":"2025-03-21T08:22:56","date_gmt":"2025-03-21T07:22:56","guid":{"rendered":"https:\/\/www.internetsoziologie.at\/de\/?p=14795"},"modified":"2025-03-20T17:45:14","modified_gmt":"2025-03-20T16:45:14","slug":"abschied-von-x-vor-drei-monaten-es-war-nicht-alles-gut","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.internetsoziologie.at\/de\/2025\/03\/21\/abschied-von-x-vor-drei-monaten-es-war-nicht-alles-gut\/","title":{"rendered":"Abschied von X vor drei Monaten: Es war nicht alles gut"},"content":{"rendered":"<p>Es ist jetzt ungef\u00e4hr drei Monate her: Als der durchgeknallte Milliard\u00e4r aus S\u00fcdafrika seine Liebe zur AfD bekundete, war f\u00fcr mich der Schlussakt erreicht. Diesem Spinner wollte ich kein Geld und auch keine Inhalte mehr zukommen lassen. Ja, nat\u00fcrlich: Was macht ein X-Abo schon f\u00fcr einen Unterschied? Aber es ist das konkrete Zeichen, da\u00df ich setzen kann. So wie \u00fcbrigens zahlreiche andere Menschen auch, Stichwort: Tesla. Produktboykotte k\u00f6nnen wirken, wie ich bereits <a href=\"https:\/\/www.greenpeace.de\/klimaschutz\/energiewende\/oelausstieg\/chronik-konzern-versenkt-image\">in meiner Jugend<\/a> eindrucksvoll beobachten konnte. Zudem erreichten mich zwei Interviewanfragen zu diesem Thema, was zeigt, da\u00df mein Zeichen nicht unbemerkt blieb. Und das freut mich nat\u00fcrlich.<br \/>\n<!--more--><\/p>\n<p>Ein Vierteljahr \u201eohne X\u201c \u2013 das klingt vielleicht ein wenig nach Entzug. Aber wenn ich meinem Umfeld Glauben schenken darf, dann war es gl\u00fccklicherweise nicht so dramatisch. Und auch das freut mich. Wirklich viel Zeit (im Sinne eines sozial sch\u00e4dlichen Verhaltens) verbrachte ich selbst in Spitzenzeiten nicht auf dieser Plattform, es bewegte sich pro Tag alles im Minutenbereich. Ja, es gab in 15 Jahren ca. 100.000 Tweets, aber dazu z\u00e4hlen auch Retweets, und so ein Retweet-Klick ben\u00f6tigt ungef\u00e4hr eine Sekunde. Wenn ich sch\u00e4tzen m\u00fc\u00dfte, dann war ca. jeder 20ste Tweet\/Post einer mit eigenem Inhalt. Das ergibt bei mehr als 5000 Tagen 5000 Tweets, also nicht einmal einen pro Tag. Zieht man dann l\u00e4ngere Debatten ab, die auch gerne mal mehrere Dutzend Posts beinhalten k\u00f6nnen, dann sieht man: So viel Aufwand wurde da gar nicht betrieben &#8211; und so viel Input fehlt einem da heute auch nicht.<\/p>\n<p>Und, wie f\u00fchlt sich dieses Vierteljahr nun unterm Strich an? Ich mu\u00df sagen: Sehr gut. Auch wenn ich beruflich mit Social-Media-Analysen zu tun habe und \u00fcber ein ausgleichendes soziales Umfeld verf\u00fcge, so habe ich mit dem nun erlebten Abstand doch bemerkt, wie durchgeknallt viele Personen und Debatten auf X tats\u00e4chlich waren. Zwar schienen meine Methoden gegen den Irrsinn \u2013 Kommentarm\u00f6glichkeiten unter meinen Posts nur f\u00fcr die Menschen, denen ich folge sowie ab und zu eine Vollsperrung des Accounts durch \u201eAbschlie\u00dfen\u201c &#8211; durchaus zu funktionieren und nat\u00fcrlich l\u00e4\u00dft man bei einem Weggang auch immer tolle Menschen zur\u00fcck (von denen mir einige sogar auf die neuen Plattformen gefolgt zu sein scheinen, was mich sehr ber\u00fchrt hat und extrem freut!), aber so, wie es jetzt ist, gef\u00e4llt es mir doch besser. Fr\u00fcher war eben nicht alles besser, sondern \u2013 wenn der Blick erst einmal klarer ist \u2013 manchmal sogar deutlich schlimmer. H\u00e4tte ich nicht so viele Erlebnisse auf X f\u00fcr meine Forschung nutzen k\u00f6nnen, dann w\u00fcrde ich mich heute doch ein wenig \u00fcber die privat verschwendete Zeit \u00e4rgern.<\/p>\n<p>Ab und zu ein Like, hier und da eine DM, mehr nicht: Ist dieses sporadische Auftauchen auf der Plattform seit dem offiziellen Weggang etwa ein Hintert\u00fcrchen f\u00fcr die X-R\u00fcckkehr? Nein, sorry, das ist nicht der Fall. Mein Verzicht gilt, mindestens solange wie der Hitlergru\u00df-Zeiger noch der Chef des Landens ist. Wahrscheinlich ist aber vielmehr, da\u00df ich meine Social-Media-Zeit insgesamt weiter reduzieren bzw. noch st\u00e4rker fokussieren werde. Nach so vielen Jahren ist mein pers\u00f6nliches Social-Media-Fazit, v\u00f6llig unabh\u00e4ngig von allen Plattformen: Leider hat man es immer wieder mit einem Misthaufen zu tun, auf dem dann eine sch\u00f6ne Blume w\u00e4chst, vielleicht auch mal zwei. Eher weniger. Denn manchmal ist auch nur Mist zu sehen, meilenweit, bis zum Horizont. Das ist mir insgesamt zu wenig effizient. Ich kann deshalb jeden verstehen, der auf Social Media eher \u201esendet\u201c und nicht mehr diskutiert oder auch vernetzt. So bleibt man pr\u00e4sent, schont aber s\u00e4mtliche Ressourcen, die man sonst fast ausschlie\u00dflich verschwendet h\u00e4tte. Schade, aber leider wahr.<\/p>\n<p>Es war phasenweise sehr sch\u00f6n, keine Frage, es sind immer noch einige tolle Menschen dort, aber dann wurde es f\u00fcr mich einfach zu schr\u00e4g. Und das sollte man anerkennen und auf die Bremse treten. Hab ich gemacht. Find ich gut. Letztlich mu\u00df jeder selber entscheiden, ob er sich Musk und seine Fanboys weiter geben will. Ich will es nicht. Manchmal ist weniger tats\u00e4chlich mehr.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es ist jetzt ungef\u00e4hr drei Monate her: Als der durchgeknallte Milliard\u00e4r aus S\u00fcdafrika seine Liebe zur AfD bekundete, war f\u00fcr mich der Schlussakt erreicht. 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