{"id":1412,"date":"2011-01-31T07:00:00","date_gmt":"2011-01-31T06:00:00","guid":{"rendered":"http:\/\/www.internetsoziologie.at\/de\/?p=1412"},"modified":"2011-01-31T12:31:17","modified_gmt":"2011-01-31T11:31:17","slug":"warum-der-digitale-radiergummi-unsinn-ist","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.internetsoziologie.at\/de\/2011\/01\/31\/warum-der-digitale-radiergummi-unsinn-ist\/","title":{"rendered":"Warum der &#8220;Digitale Radiergummi&#8221; Unsinn ist"},"content":{"rendered":"<p>Seit einigen Tagen schon wird eine neue Sau durchs digitale Dorf getrieben: das &#8220;vergessende Internet&#8221;. Technische &#8220;Verfallsdaten&#8221; im Internet sind aber schlicht Unsinn, weil nicht umsetzbar. Grund daf\u00fcr ist die abstrakte Netzstruktur des Internets: man n\u00e4hert sich dem Kern des Problems der unkontrollierbaren Datenverteilung erst dann, wenn man als gegeben annimmt, da\u00df ein Datensatz nach seiner Ver\u00f6ffentlichung abgerufen werden <em>kann<\/em>. Bereits die theoretische Chance des Abrufes sorgt daf\u00fcr, da\u00df wir als Urheber nicht mehr die Gewi\u00dfheit haben, hier Kontrolle aus\u00fcben zu k\u00f6nnen. Ein Beispiel: Zeige ich jemanden ein Foto aus Papier in einem Fotoalbum aus Pappe, so kann ich ziemlich sicher sein, da\u00df diese Person im Moment des Betrachtens das Bild tats\u00e4chlich nur an einem Ort speichert: im Ged\u00e4chtnis. Sobald das Bild aber digital ver\u00f6ffentlicht wird, habe ich keine vergleichbare Sicherheit mehr. Und damit m\u00fcssen wir als als Gesellschaft leben und entsprechende Konsequenzen ziehen. <\/p>\n<p>Das klingt freilich einfach, ist es aber nicht. Deshalb ist es auch verst\u00e4ndlich, da\u00df stets nach einfachen L\u00f6sungen gesucht wird. Techniken wie &#8220;X-Pire&#8221; von Michael Backes aus Saarbr\u00fccken f\u00fchren allerdings massiv in die Irre und sind deshalb sogar kontraproduktiv, weil sie wie ein Versprechen gegen schlechtes Wetter wirken, welches sich bei genauerer Betrachtung doch nur als simple Bekleidungsempfehlung entpuppt und nichts gegen das Wetter an sich ausrichten kann. So ist es auch mit Dateien, die sich selbst zerst\u00f6ren oder nicht mehr entschl\u00fcsselbar sind: sie wirken nicht da, wo sie eigentlich wirken sollten. Bei genauerer Betrachtung wird man feststellen, da\u00df sie dies schlicht und ergreifend nicht k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Es w\u00e4re deshalb besser f\u00fcr alle Beteiligten, wenn man sich auf das Kernthema konzentrieren und die Finger von Placebos lassen w\u00fcrde. Das hei\u00dft: umfassende Besch\u00e4ftigung mit dem Thema Digitalisierung und Gesellschaft, umfassende Aufkl\u00e4rung und Debatte \u00fcber Datenschutz und \u2013 vor allem &#8211; Datensparsamkeit, Konzentration auf interdisziplin\u00e4re Projekte und Debatten, sprich: die Verwebung von Technik, Recht und Gesellschaft statt singul\u00e4rer, kontraproduktiver und ausschlie\u00dflich technisch konnotierter Scheinl\u00f6sungen sowie undifferenzierter Technikh\u00f6rigkeit. Da\u00df das m\u00fchsamer ist als irgendwo einen Knopf zu dr\u00fccken und sich so einer Scheinsicherheit hinzugeben, d\u00fcrfte einleuchtend sein. Und selbst wenn Technik hier L\u00f6sungen schaffen k\u00f6nnte: bevor f\u00fcr jedes neue Problem eine neue technische L\u00f6sung entwickelt werden muss, d\u00fcrfte es einfacher sein, sich einmal interdisziplin\u00e4r und grundlegend mit der Thematik auseinandergesetzt zu haben. Technik ist in diesem Falle n\u00e4mlich leider keine L\u00f6sung, sondern nur gef\u00e4hrliche Augenwischerei.<br \/>\n<strong><br \/>\nUPDATE (31.1.2011):<\/strong> <a href=\"http:\/\/www.heise.de\/newsticker\/meldung\/Bilder-anschauen-trotz-Internet-Radiergummi-1180381.html\">Erste Sicherheitsl\u00fccke ausgenutzt<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Seit einigen Tagen schon wird eine neue Sau durchs digitale Dorf getrieben: das &#8220;vergessende Internet&#8221;. Technische &#8220;Verfallsdaten&#8221; im Internet sind aber schlicht Unsinn, weil nicht umsetzbar. 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