{"id":1217,"date":"2010-12-11T08:00:14","date_gmt":"2010-12-11T07:00:14","guid":{"rendered":"http:\/\/www.internetsoziologie.at\/de\/?p=1217"},"modified":"2010-12-09T21:32:28","modified_gmt":"2010-12-09T20:32:28","slug":"netzneutralitat-alles-unter-kontrolle","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.internetsoziologie.at\/de\/2010\/12\/11\/netzneutralitat-alles-unter-kontrolle\/","title":{"rendered":"Netzneutralit\u00e4t: Alles unter Kontrolle"},"content":{"rendered":"<p>Das Internet macht keinen Unterschied: alle Daten haben dieselbe Priorit\u00e4t, egal ob Suchmaschine oder private Website. Der Kunde eines Internetproviders kann jede Website, jeden Service und jeden Datensatz ohne k\u00fcnstliche H\u00fcrden abrufen, mal abgesehen von technischen Aspekten wie Geschwindigkeit und Netzstabilit\u00e4t. Mit einer Einschr\u00e4nkung: Vor allem Mobilfunkanbieter haben schon heute Servicebremsen installiert, die beispielsweise Internettelefonie via UMTS verbieten oder zumindest erschweren. Doch auch dies ist lediglich eine Ma\u00dfnahme, bestimmte <em>Services <\/em>zu unterbinden. Die Daten<em>quelle<\/em>, der <em>Inhalt <\/em>oder die <em>Wertigkeit f\u00fcr den User<\/em> spielen keine Rolle \u2013 und das soll auch so bleiben, wenn es nach den Bef\u00fcrwortern der Netzneutralit\u00e4t geht. Diese sehen den freien Datenverkehr derzeit massiv bedroht. Und schuld sind die gro\u00dfen Webunternehmen.<br \/>\n<!--more--><br \/>\nEs d\u00fcrfte nicht \u00fcberraschen, da\u00df das Neutralit\u00e4tsprinzip immer wieder mal in Frage gestellt wird. Attackiert wird es dabei vor allem von zwei Seiten: Einerseits gibt es Anbieter, die eine Priorisierung ihrer Daten gut f\u00e4nden, z.B. Internet-TV-Anbieter. Bisher ist aufgrund der Gleichrangigkeit der Daten das Fernsehen im Netz nicht besser dran als ein Privatblog oder Tauschb\u00f6rsendateien. Ein ruckelfreies TV-Vergn\u00fcgen gibt es auch bei leistungsstarken Internetzug\u00e4ngen nur durch eine Datenpufferung, welche daf\u00fcr sorgt, da\u00df Schwankungen beim Datenabruf abgefedert werden. Diese Pufferung verhindert aber spontanes Fernsehvergn\u00fcgen, denn wer m\u00f6chte schon f\u00fcnf Sekunden auf einen TV-Sender warten, wenn er nach drei Sekunden sowieso wieder wegzappt? (Von hochaufl\u00f6senden 3D-Erlebnissen mit ihren auch nach heutigen Standards gigantischen Datenvolumina einmal ganz zu schweigen.) Andererseits gibt es aber auch Zugangsanbieter, die sich durch eine Datenpriorisierung mehr Einnahmen versprechen. Warum sollte man potente Netzgiganten wie Google nicht extra zur Kasse bitten, wenn sie schon einen Gro\u00dfteil des gesamten Datenverkehrs stellen? Man ist, so die Logik, schlie\u00dflich nicht der ergebene Diener gro\u00dfer Webkonzerne, die sich an den DSL- und Kabelnetzkosten nicht beteiligen, jedoch viel Geld mit dem Netz verdienen. Vor allem dann nicht, wenn man vom reinen Zugangs- zum Inhalteanbieter mutieren m\u00f6chte. Und das m\u00f6chten einige.<\/p>\n<p>Wenn also von Neutralit\u00e4t die Rede ist, geht es ganz konkret um die Bewertung von Inhalten. Wenn man lediglich festlegt, da\u00df bestimmte Services wie IP-Telefonie und Internet-TV eine gewisse Priorit\u00e4t genie\u00dfen, den Datenstrom jedoch nicht inhaltlich bewertet, lassen sich f\u00fcr eine solche Netzregulierung durchaus F\u00fcrsprecher finden. Niemand d\u00fcrfte es schlie\u00dflich den Providern ver\u00fcbeln, schon allein aus \u00f6konomischen Gr\u00fcnden technische Grenzen zu ziehen, damit ihr Gesch\u00e4ftsmodell nicht gef\u00e4hrdet wird. Internet-Flatrates sind streng genommen keine tats\u00e4chlich grenzenlosen Angebote, sondern stets eine Mischkalkulation, die nur dann aufgeht, wenn das Angebot nicht \u00fcberm\u00e4\u00dfig strapaziert oder gar mi\u00dfbraucht wird. Mit diesen technischen Einschr\u00e4nkungen geht dann aber immer noch keine Bewertung von Inhalten einher, denn es wird nicht zwischen Telekom- und Vodafone-Telefonie oder ARD und RTL unterschieden, sondern eben nur nach der Art der Daten.<\/p>\n<p>Offen und besonders spannend ist die Frage, wer all diese neuen Regeln festlegt. Gegen multilaterale Vereinbarungen auf Unternehmensebene k\u00e4mpfen vor allem Netzaktivisten, Start-up-Gr\u00fcnder und Politiker. F\u00fcr viele geht es dabei um die Frage, wie das Internet der Zukunft aussehen soll: inhaltlich frei oder ausgerichtet an den Bed\u00fcrfnissen von Unternehmen und M\u00e4rkten, die die Netzspielregeln nach wirtschaftlichen Kriterien (und damit letztlich selbst) festlegen. Wird es auch in Zukunft noch ein Netz geben, welches kleinen Startups erm\u00f6glicht, gro\u00df zu werden? Hat der User auch in Zukunft noch die freie Wahl oder h\u00e4ngt es vom Provider ab, welche Daten wann und wie abrufbar sind? Haben in Zukunft die User Vorfahrt, die sich die linke Spur auf der Datenautobahn leisten k\u00f6nnen? Staatliche Internetzensur ist nichts Neues mehr. Eine inhaltliche Zensur durch Unternehmen bef\u00fcrchten viele Kritiker, wenn es zu keinen f\u00fcr alle verbindlichen Neutralit\u00e4tsregeln kommen sollte. Da\u00df diese jedoch dringend n\u00f6tig sind, meinen nicht nur die Bef\u00fcrworter der Netzneutralit\u00e4t. Egal, ob man nun f\u00fcr staatliche Regulierungen oder die v\u00f6llige Freiheit der Unternehmen ist: das Internet wird sein Aussehen massiv ver\u00e4ndern. Es wird mobiler, allgegenw\u00e4rtig und allumfassend. Es wird eine Zunahme von Empfangsangeboten wie Internet-TV und Videoportalen geben, die massive Datenmengen bewegen &#8211; trotz vorhandener digitaler <a href=\"https:\/\/secure.wikimedia.org\/wikipedia\/de\/wiki\/DVB-H\">Broadcastl\u00f6sungen<\/a>. Und mit dieser Metamorphose geht zwangsl\u00e4ufig auch ein Wandel der Spielregeln einher. Fr\u00fcher oder sp\u00e4ter wird es deshalb zu einer Neuordnung kommen m\u00fcssen. Die Diskussion dar\u00fcber hat gerade erst begonnen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das Internet macht keinen Unterschied: alle Daten haben dieselbe Priorit\u00e4t, egal ob Suchmaschine oder private Website. Der Kunde eines Internetproviders kann jede Website, jeden Service und jeden Datensatz ohne k\u00fcnstliche &hellip; <\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[],"class_list":["post-1217","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-allgemein"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.internetsoziologie.at\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1217","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.internetsoziologie.at\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.internetsoziologie.at\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.internetsoziologie.at\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.internetsoziologie.at\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1217"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.internetsoziologie.at\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1217\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.internetsoziologie.at\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1217"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.internetsoziologie.at\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1217"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.internetsoziologie.at\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=1217"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}