Digitale Identitäten
An dieser Stelle finden Sie diverse Informationen zur Studie (und zum Buch namens) “Digitale Identitäten”. Für Informationen über anknüpfende Vorhaben besuchen Sie bitte die Infoseiten der Projekte “Networked Systems” und “myid.privat“.
Die Studie: Digitale Identitäten
Der Kern digitalen Handelns im Spannungsfeld von Imagination und Realität
Das Digitale breitet sich aus, es wird digitalisiert, was digitalisierbar ist – auch die eigene Identität bleibt davon nicht verschont. Damit kommt schnell die übergeordnete Frage auf, wie digital unsere Identität mittlerweile geworden ist. Warum ist sie in vielen Bereichen überhaupt digital geworden? Und wer hat die Kontrolle? “Digitale Identitäten” ist das Ergebnis eines sozialwissenschaftlichen Forschungsprojektes, welches erstmals opulent aufzeigt, wie und in welchem Maße individuelle und kollektive Identitäten von der Digitalisierung beeinflusst werden. Biometrie in den Pässen, die EU-weite Vorratsdatenspeicherung oder die Übermittlung zahlreicher Fluggastdaten an die USA – dies sind nur drei Beispiele für den Wechsel vom freien zum kontrollierten Netz, von der anarchisch-dezentralen Unzerstörbarkeit eines nuklearangriffresistenten Datenverbunds hin zu einer Regulierung, die tief ins Detail geht und im Kern stets unsere Identität betrifft. Und spätestens bei der Frage nach dem Ende dieses Wandels, nach der Wirkung und den Folgen wird schnell klar, dass vielen Menschen nicht bewusst ist, wie wichtig ihre digitale Identität heutzutage ist.
“Digitale Identitäten” bewegt sich zwischen Manfred Faßlers “Mediale Aktion” und den “Technischen Schriften” Friedrich Kittlers und geht gleichzeitig darüber hinaus. Stephan Humer entwirft, ausgehend vom digital-technischen State of the Art, eine genuin soziologische, den unmittelbaren Lebensalltag und die selbstverständliche Lebenswelt betreffende Sicht auf die fortgeschrittene Medientechnologie, dabei Foucaults Mikrophysik der Macht aufnehmend und erweiternd, so daß Anhaltspunkte entstehen können, diesen neuen Vergesellschaftungsbereich der digitalen Mediation und Medialität in seiner hybriden Öffentlichkeitsform als das auszuweisen, was er ist: eine weitere Gestalt allgemeiner Öffentlichkeit, eine weitere Gestalt sozialisierender Kräfte und Regeln, eine weitere Gestalt der Ermöglichung negativer und positiver Freiheit – wie auch des Freiheitsentzugs und der Kontrolle. Stephan Humers erklärtes Ziel, zur öffentlichen Bewirtschaftung der Computertechnologie als Interfacekultur beizutragen (Faßler), ist mehr als eingelöst worden; sie ist gelungen.
Die Arbeit spricht sowohl Wissenschaftler als auch User an und kann als erstes Grundlagenwerk für die Bewältigung digitaler Herausforderungen im Bereich des Identitätsmanagements jenseits eines technikzentrierten Tunnelblicks dienen. „Digitale Identitäten“ ist nicht nur ein Appell für mehr kulturell-digitale Grundlagenforschung, sondern auch ein mit zahlreichen und direkt anwendbaren Strategien gespicktes Handbuch, um sich im digitalen Alltag erfolgreich gegen Identitätsattacken wehren zu können. Dieses Werk leistet somit einen entsprechenden Beitrag zur Bewältigung der epochalen Herausforderung der Digitalisierung unserer Lebenswelt.
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Die Studie im Detail
Begonnen wird mit der Aufführung der neuen Rollen von Digitalität und Imagination. Es soll aufgezeigt werden, wie diese zwei neuen Fundamente der Identität die bisherigen Grundfesten der Identitätsarbeit von Individuum und Kollektiv erschüttert und neu errichtet haben. Bereits in der Diplomarbeit wurde, wenn auch kurz, der Weg der Rolle aufgezeigt, die Digitalität und Imagination spielen. Nun soll – bis ins binäre Detail gehend – daran angeknüpft werden: Digitalität und Imagination, so die These, sind die unerschütterliche Basis der digitalen Identitätskonstruktion. Ihr Zusammenwirken erfährt dann schließlich entsprechende Beachtung, um die unauflösbare Verflechtung dieser beiden Identitätsfundamente zu veranschaulichen.
Daraufhin wird die Methodik ausführlich erläutert. Es soll Bezug genommen werden auf die Mediendiskussionen in der Soziologie und den Cultural Studies, aber bei entsprechender Passung auch ein Blick auf die Diskussionen in nahen Bereichen wie den Informations- und Kommunikationswissenschaften geworfen werden. Abgesehen von der bereits erwähnten Tatsache, daß an dieser Stelle ein alleiniger Zugang über die quantitativen Methoden der Sozialforschung aufgrund fehlender wichtiger Elemente wie Kultur und Technikkompetenz eher wenig Erkenntnisgewinn produzieren würde, soll die Chance genutzt werden, hilfreiche interdisziplinäre Diskussionen und Zugänge zu betrachten. Schließlich gibt es derzeit keine allgemeingültige Digitale Theorie, auf die man rekurrieren könnte. Die hier genutzte Methodik kann somit aufgrund der übergreifenden Relevanz der Identität nicht nur sinnvoll für die hiesige Aufgabe sein, sondern eventuell sogar dazu beitragen, einer Digitalen Theorie ein Stückchen näher zu kommen. Zusätzlich soll in diesem Kapitel auch über die Praxis der Arbeit berichtet werden, konkret über die angewandte Methode in allen Einzelheiten. Es werden sowohl die Rolle der Feldbeobachtung als auch die ethischen Fragen, die Quellenauswahl sowie die Vor- und Nachteile dieser Vorgehensweise detailliert erklärt. Schließlich mündet dies im Destillat der Chancen und Probleme, welches aus der Praxisphase zusammenkam. Ein weiterer wichtiger Punkt ist die Diskussion der Rolle von Wikipedia, welche in der Wissenschaft nicht unumstritten ist. Zum Abschluß wird eine Antwort auf die Frage gegeben, ob diese Arbeit ein Modell für jedermann sein kann, was vor dem Hintergrund der dringend notwendigen Digitalen Theorie zu sehen ist. Der dritte und letzte Teil dieses Kapitels widmet sich An- und Abgrenzungen und führt verschiedene soziologische Theorien ins Feld, um diese auf ihre Brauchbarkeit im Rahmen der digitalen Analyse zu prüfen.
Ein Überblick über die kulturelle und soziologische Analyse der Identität wird im vierten Kapitel gewonnen. Besonders interessant soll das Erreichen der Schnittstelle sein, welche erstmals analoge und digitale Identitätsfraktionen zusammenbringt. Dort soll dann auch insgesamt der Beginn der Kernanalyse sein, denn wir tasten uns von dort heran an die gegenwärtige Situation, wobei eine der Fragen ist, wie viel Digitalität bereits in der Identität enthalten ist. Das Kapitel ist in vier Abschnitte unterteilt. Im ersten Abschnitt erfolgt die Annäherung an die Identität im digitalen Zeitalter. Danach werden die jeweiligen Identitätsaspekte von Individuum (psychologische Identitätsdefinition) und Gruppe (soziologische Identitätsdefinition) präsentiert. Schließlich erfolgt im letzten Abschnitt die Klärung zweier Kernfragen: Welche Rolle spielt die Digitalisierung im Kontext von Identitätsarbeit? Welche Elemente der Identitätsbildung, -erhaltung und –erneuerung sind brauchbar für eine Analyse der digitalen Identität? Oder anders gesagt: wie läßt sich die Identität, die zunehmend mit digitalen Einflüssen zu tun hat, mit den vorgelegten Ansätzen erklären?
Diese Zusammenfassung ist dienlich, um den Übergang zum nächsten Kapitel zu gestalten, denn nach einer ersten Beleuchtung der Entwicklung digitaler Einflüsse auf die Identität wird im fünften Kapitel die Brücke geschlagen zum Stand der Dinge in technischer Hinsicht. Eine Übersicht über gegenwärtige Chancen und Gefahren soll das Potential aufzeigen, welches der Identität entgegenkommt und Einfluß nehmen kann. Dabei ist das Kapitel in die drei Hauptbereiche der digitalen Identität unterteilt: im Kernbereich der Identität geht es um Datenschutz und Datensicherheit. Die intrinsische Motivation des Users wird anhand der Beispiele Chats und Spiele aufgezeigt, gefolgt von der extrinsischen Motivation in Form von Hacken und Cracken. Dieses Kapitel dient zugleich zur Klärung unverzichtbarer technischer Zusammenhänge, die vor der Kernanalyse im sechsten Kapitel nicht verwirrend und durcheinander im Raum stehen bleiben können.
Sollte im sechsten Kapitel ausreichend deutlich werden, wie die Rolle der Identität heutzutage besetzt ist, wie die Digitalität hineinwirkt, wie groß der Einfluß von außen ist und wie die Auswirkungen für die Gesellschaft aussehen, dann ist das Ziel erreicht. Aufbauend auf dem Fundament von Digitalität und Imagination, ausgehend von der sich im Dreiklang von Theorie, Praxis und Empirie befindlichen Methodik und anknüpfend an die vorgestellten Analysen von Identitätsgeschichte, digitalen Chancen und realen Risiken soll nun die eigentliche Kernanalyse erfolgen. Es gilt, eine Analyse zu generieren, die jedes technische Problem bis in die Binärstruktur beleuchten kann, die so viele gehaltvolle Kontexte und Ergebnisse wie nur möglich erschließt, aber trotzdem verständlich und gewinnbringend auch für diejenigen endet, denen das Mirakel der digitalen Identität bisher lediglich in einem diffusen Licht erschien.
Im siebten und letzten Kapitel folgen die zusammenfassende Deutung, die Aufzählung der Perspektiven und ein Ausblick in die digitale Zukunft. Es soll gezeigt werden, inwieweit sich die Menschen an das Digitale und all seine Ausprägungen gewöhnen müssen. Dabei geht es nicht nur um Killerspiele, Vorratsdaten und Terrorabwehr. Es geht um die Präsentation einer Lotsenfunktion, die Experten im sozial-kulturellen digitalen Raum haben können. Es geht letztlich um nicht weniger als einen Paradigmenwechsel, der neue Werte (Domains, Ideen, YouTube) kreiert, dem Kulturpessimismus eine Absage erteilt, weil er auf einer neuen Ebene basiert: der Ebene des Digitalen. Und wenn dies eine revolutionäre Chance ist, dann sind wir verpflichtet, sie zu ergreifen.
Vorträge zu “Digitale Identitäten”
Inzwischen wurden zahlreiche Vorträge zu diesem Thema gehalten. Bitte beachten Sie die Infos im CV.
Wirkungen
Bitte beachten Sie auch die Website der Digitalen Klasse der UdK, welche ebenfalls Bezug nimmt auf das Projekt “Digitale Identitäten”.
Stimmen zum Buch
“Der Autor stellt philosophische und kulturhistorische Überlegungen zu vielen Aspekten des Webs und seiner User an. Dies liest sich sehr interessant (…) [und er] erteilt (…) dem konservativen Kulturpessimismus eine klare Absage.”
Design & Elektronik, Ausgabe 06/2008
“Wer sich einen umfassenden Einblick in das Thema verschaffen möchte, ist mit diesem Buch gut beraten. Gerade der aktuell gehaltene Bezug und die gute Recherchearbeit machen es empfehlenswert.”
Gesamtbewertung: 4 von 5 – Anspruch: 5 von 5
IT-Rezensionen (CHIP.de), 14. Juli 2008
“(Das) Buch (ist) nicht nur am Puls der Zeit, es ist letztendlich ein Muss für jeden, der erfahren möchte, wie wir in Zukunft die epochale Aufgabe der Digitalisierung unserer Lebenswelt meistern können.”
Seite 4, 27. Juli 2008
Auch ShortBooks hat sich “Digitale Identitäten” angeschaut und überdurchschnittlich detailfreudig analysiert – und entdeckt dabei “spannende Antworten”.
ShortBooks.de, August/September 2008