Internetsoziologie-FAQ

Hier nun die Frequently Asked Questions (FAQ) mit Stephans Antworten auf die (bisher) häufigsten Fragen zum Thema Internetsoziologie (Letztes Update: 4. Oktober 2014)

  1. Was ist Internetsoziologie?
  2. Was ist Internetsoziologie (noch) nicht?
  3. Warum ausgerechnet “Internetsoziologie”? Es gibt doch schon Medienwissenschaftler, -psychologen und auch -soziologen, dazu Kommunikationswissenschaftler, Publizisten und zahllose andere Wissenschaftler, die das Thema Internet und Gesellschaft beackern.
  4. Warum lassen wir nicht Techniker die Technik analysieren? Sie haben sie schließlich entworfen, entwickelt und hergestellt – also dürften sie sie auch am besten kennen.
  5. Wo liegt nun das konkret Neue (oder Andere) bzw. Einzigartige in der Internetsoziologie? Wozu noch eine Ausprägung der ohnehin weit gefächerten Soziologie?
  6. Gibt es ein erstes Werk, welches sich “internetsoziologisch” nennen kann?
  7. Wie wird die internetsoziologische Idee weiterentwickelt?
  8. Wenn die Internetsoziologie noch ganz am Anfang steht, wie kann man sich dann “Internetsoziologe” nennen? Ist so eine Bezeichnung denn überhaupt möglich, wenn die Subdisziplin noch nicht ausdifferenziert wurde?
  9. Wieso findet all dies gerade an der Berliner Universität der Künste statt?
  10. Es gibt also einen offiziellen Arbeitsbereich Internetsoziologie?
  11. Was ist das Ziel von Internetsoziologie.de?
  12. Wie ist Internetsoziologie.de entstanden?

Was ist Internetsoziologie?

Es ist ein im Kontext meiner Tätigkeiten an der UdK gewachsener (und hier nun auch institutionalisierter) Arbeitsbereich sowie ein meine Arbeitsweise beschreibender Begriff, den ich erstmals 1999 mit der Initialisierung dieses Webangebotes im Rahmen meines Studiums an der Freien Universität Berlin öffentlich gemacht habe. Ich betrachte Internetsoziologie als den Arbeitsbereich, der sich soziologisch mit der Digitalisierung unserer Gesellschaft auseinandersetzt. Und in den Worten “Digitalisierung” und “Gesellschaft” liegt auch schon die logische Schlußfolgerung “Internetsoziologie”. Weniger geht es hier um die (technischen) Möglichkeiten, die das Internet den Soziologinnen und Soziologen gebracht hat, z.B. ganz neue bzw. andere Formen der (Online-)Markt- und Meinungsforschung oder die Datenextraktion aus sozialen Netzwerken wie Facebook zwecks Analyse und visueller Aufbereitung. Vielmehr geht es um die inhaltlichen Fragen – und deren Beantwortung. Es wurde noch in den 1990er Jahren gefragt, inwiefern sich eine Soziologie des Internets behaupten oder ausgestalten könnte. Ich denke, daß diese Frage spätestens seit den unzweideutigen Erfolgen von Big Data beantwortet werden kann: mithilfe der aktuellen digitalen Entwicklungen kann man Aussagen über die gesamte (nichtdigitale wie digitale) Gesellschaft treffen. Spätestens jetzt reden wir wohl von Internetsoziologie.

Was ist Internetsoziologie (noch) nicht?

Internetsoziologie ist (noch) keine unzweideutig umrissene soziologische Subdisziplin und auch kein eigenständiges Fach, kein Lehrstuhl, kein Institut, keine Fakultät.

Warum ausgerechnet “Internetsoziologie”? Es gibt doch schon Medienwissenschaftler, -psychologen und auch -soziologen, dazu Kommunikationswissenschaftler, Publizisten und zahllose andere Wissenschaftler, die das Thema Internet und Gesellschaft beackern.

Richtig, das Thema wird von vielen Seiten bearbeitet, jedoch fehlte mir bisher (und fehlt mir auch weiterhin in weiten Teilen) die Betrachtung von Seiten der Soziologie, die in anderen Ländern wie den USA deutlich häufiger anzutreffen ist. Wenn man das Internet (oder besser: die Digitalisierung unserer Gesellschaft) mit den Mitteln der Soziologie analysiert, schließt man m.E. nicht nur eine bestehende Lücke, sondern kommt in vielen Fällen, so meine These, auch zu Ergebnissen, die “näher dran am Phänomen” sind, denn das Internet ist ein (gesamt)gesellschaftliches Phänomen und mitsamt seinen Auswirkungen deshalb eine genuin soziologische Angelegenheit.

Ein Beispiel: Medienpsychologen bearbeiten bspw. die Frage, wie ein Computerspiel auf einen Spieler wirkt – ich bearbeite hingegen die Frage, welche Auswirkung dieses Computerspiel auf Gruppen oder gar die ganze (deutsche) Gesellschaft hat. Das machen Medienwissenschaftler vielleicht auch, doch es gibt in der Ausbildung und Ausrichtung m.E. doch erhebliche Unterschiede zwischen den Medienwissenschaften (andere Theorien, Methoden, Ansätze) und der Soziologie, so daß es zwangsläufig auch andere Ergebnisse geben wird. Wer jedoch soziologische Ergebnisse will, sollte sich der Soziologie widmen. Meine bisherigen Erfahrungen aus Studium und Wissenschaftsbetrieb bestätigen diesen Eindruck meist recht deutlich.

Dabei darf aber das Plädoyer für die Soziologie keinesfalls als Argumentation gegen die Medienwissenschaft oder andere sozialwissenschaftliche Disziplinen verstanden werden. Es geht vor allem darum, daß die Soziologie mit ihren Möglichkeiten m.E. besonders in Deutschland unterschätzt wird und ihre Möglichkeiten zu selten berücksichtigt werden, d.h. die Betrachtung der Möglichkeiten erscheint mir nicht ausreichend. Wenn man für die Analyse von Medienphänomenen beispielsweise die Medienwissenschaft heranzieht, ist dies schon ein guter Anfang, aber viel zu oft werden Versuche gestartet, die – wie im folgenden FAQ-Punkt beschrieben – wohl schon von Beginn an zum Scheitern verurteilt sind. Wenn man also unbedingt einen Gegensatz im Sinne von für und gegen abbilden möchte, dann fällt das Plädoyer für eine sozialwissenschaftliche (internetsoziologische) und gegen eine ingenieurwissenschaftliche Medienanalyse aus.

Warum lassen wir nicht Techniker die Technik analysieren? Sie haben sie schließlich entworfen, entwickelt und hergestellt – also dürften sie sie auch am besten kennen.

Einer der größten, wenn nicht gar der größte Fehler, den man meiner Überzeugung nach machen kann, ist, soziale Fragen von Technikern beantworten zu lassen. Meist wird schon der Versuch scheitern. Techniker kennen die Technik, aber wenn bspw. die Grenzen eines Computerchips überschritten werden, spielen andere Dinge eine größere Rolle. Das Motto sollte deshalb – frei nach Vilém Flusser – stets sein: Technik ist zu wichtig, um sie nur Technikern zu überlassen. Schon die (akademische) Ausbildung befähigt Techniker nicht zu gesellschaftlichen Analysen und reine Technikkenntnis ermöglicht kein Verständnis sozialer Handlungen und Zusammenhänge.

Zudem mußte leider immer wieder festgestellt werden, daß Techniker allzu oft nicht willens sind, sich auf andere Disziplinen – nicht-naturwissenschaftliche Disziplinen, um genau zu sein – einzulassen. Ein gemeinsamer Nenner war in zahlreichen Projekten nur äußerst schwer zu finden, was eine interdisziplinäre Analyse wiederum auch erschwert – eine sehr frustrierende und ineffiziente Arbeitsweise.

Deshalb ist es eine der wichtigsten Aufgaben des “Projekts Internetsoziologie”, zu Beginn eines jeden gemeinsamen Projekts für einen gemeinsamen (sprachlichen) Nenner zu sorgen, für Offenheit, Transdisziplinarität und Entgegenkommen. Techniker müssen sich dann “nur noch” darauf einlassen und dieses Einlassen durchhalten.

Die Soziologie steht an dieser Stelle aber völlig unzweideutig in der Pflicht, mehr Technikkenntnis in solche Prozesse einzubringen als es bisher üblich war. Zu viele Analysen, die meines Erachtens gescheitert sind, scheiterten nicht am soziologischen, sondern am technischen Kenntnisstand. Wir brauchen letztlich keine Techniker mit soziologischen Ambitionen, sondern Soziologen mit profunden Technikkenntnissen (Digital Literacy), denn die Handhabung von Technik ist eine soziale Angelegenheit. Der Mensch hat die Technik erschaffen – nicht umgekehrt.

Wo liegt nun das konkret Neue (oder Andere) bzw. Einzigartige in der Internetsoziologie? Wozu noch eine Ausprägung der ohnehin weit gefächerten Soziologie?

Abgesehen davon, daß der digitale Raum in Deutschland immer noch weitgehend “Terra Incognita” ist, viel zu wenig analysiert wird und jeder gute Beitrag eine wertvolle Hilfe ist? Ich denke, daß die Analyse der Digitalisierung unserer Gesellschaft unter ganz bestimmten Voraussetzungen am besten gelingen kann, welche so nur ein Arbeitsbereich Internetsoziologie bietet:

I. Die Internetsoziologie konzentriert sich auf digitale Phänomene und schließt – anders als die Mediensoziologie – nichtdigitale Themen konsequent aus. Historisch-technische Aspekte anderer Medien werden aufgrund der medienhistorischen Singularität der Digitalisierung begrenzt eingebunden. Es geht vorrangig um die Neuheiten, die Digitalisierung mit sich bringt, was nicht mit Ahistorizität gleichzusetzen ist.

II. Neben den soziologischen werden auch extrem umfangreiche und tiefgehende Technikkenntnisse eingebracht, d.h. es besteht die Möglichkeit der Analyse “bis ins letzte Bit”. Im Vergleich dazu kommt das klassische soziologische Studium ohne umfassende Technikausbildung aus, was diesbezüglich ein entscheidendes Problem darstellen dürfte.

III. Ein intensiver (digitaler) Austausch mit international tätigen Kolleginnen und Kollegen (z.B. den über 2000 Mailinglisten-Mitgliedern der Association of Internet Researchers, Kooperationsvereinbarungen mit Instituten und Einrichtungen in Ländern mit ausgeprägter Internetanalyseaffinität zur Stärkung der Forschernetzwerke und der Institutionalisierung des Forschungsfeldes) gehört ebenso zur alltäglichen internetsoziologischen Praxis wie die Anbindung an lokale Forschungseinrichtungen wie das Alexander-von-Humboldt-Institut für Internet und Gesellschaft (HIIG).

IV. Die Anwendung, Weiter- und Neuentwicklung von (etablierten) soziologischen und psychologischen Methoden (gleichermaßen quantitativ wie qualitativ) nach dem Foucaultschen Werkzeugkastenprinzip stellt das methodische Kernkonzept dar. Es gibt kein zwanghaftes Festhalten an der einen Lieblingstheorie oder –schule, so wie bei manchen Soziologinnen und Soziologen üblich. Die Psychologie hat hier zudem Vorrang vor anderen Disziplinen wie der Politologie oder der Ökonomie, da die Betrachtung der Wirkungen von Digitalisierung auf den Einzelnen und die Gruppe im Vordergrund stehen, nicht politische oder wirtschaftliche Prozesse.

V. Eine konsequent transdisziplinäre Zusammenarbeit mit Technikern und Juristen in leistungsstarken, kommunikationsfreudigen (Projekt-)Teams mit dem Ziel einer ganzheitlichen Digitalisierungsanalyse ist das vornehmliche Ziel bei Verbundprojekten. Idealerweise werden die so gewonnenen Erkenntnisse aufbereitet und (nach Absprache mit den Projektpartnern) anderen (externen) Kolleginnen und Kollegen zur Verfügung gestellt.

VI. Die Verbindung von Grundlagen- und anwendungsorientierter Forschung, d.h. die Aufrechterhaltung einer permanenten Skalierbarkeit (“vom Groben ins Feine” und zurück bzw. Induktion <> Deduktion) zur Schaffung von konkretem Mehrwert zeichnet die Internetsoziologie aus – es gibt somit kein digitales „l´art pour l´art“. Dieser Aspekt ist stark mit dem transdisziplinären Arbeits- und Kommunikationsansatz verbunden.

VII. Umfangreiche Öffentlichkeitsarbeit durch (populärwissenschaftliche) Beiträge in den Medien, Vorträge und Beratungen gehören ebenfalls zum internetsoziologischen Alltag, denn letztlich sollen nicht nur Fachdiskussionen entstehen, da die interessierte Öffentlichkeit ganz konkret von den Ergebnissen „betroffen“ ist und Digital Literacy mindestens genauso braucht wie die Fachöffentlichkeit.

Gibt es ein erstes Werk, welches sich “internetsoziologisch” nennen kann?

Nach Meinung von Prof. Dr. Dr. Udo di Fabio (PDF, S. 27) und einigen anderen: ja, mein Buch “Digitale Identitäten”.

Wie wird die internetsoziologische Idee weiterentwickelt?

Die Wissenschaftswelt hat sich in den letzten Jahren bekanntlich grundlegend gewandelt: unbefristete Stellen für ein Vorhaben Luhmannscher Dimension (“Theorie der Gesellschaft, Laufzeit: 30 Jahre, Kosten: keine”) sind de facto nicht mehr zu bekommen. Selbst neuberufene Professoren haben meist eine mehrjährige Probezeit und beileibe nicht mehr den Freiraum, den ihre Vorgänger hatten – die “Kennzahlen für Erfolg” sehen inzwischen anders aus als früher. Deshalb kann die reine Theorieentwicklung leider keine Priorität mehr einnehmen, sondern muß ganz konkret ausgestalteten Stellen und Projekten den Vorrang lassen. Dies ist meines Erachtens aber nicht das alles entscheidende Problem, denn die meisten meiner Projekte passen sehr gut in den internetsoziologischen Fokus und ermöglichen deshalb letztlich auch eine permanente Weiterentwicklung einer internetsoziologischen Theorie. Über einige Umwege kommt man so – hoffentlich – doch zum Ziel. Deshalb können auch jüngere Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler einen Theoriebeitrag leisten, auch wenn sie nicht Luhmanns Lehrstuhlvorzüge genießen. Es ist zwar organisatorisch schwierig und inhaltlich anstrengend, gar keine Frage, aber sicher nicht gänzlich unmöglich. Und vor allem ist es nicht umsonst, davon bin ich überzeugt.

Wenn die Internetsoziologie noch ganz am Anfang steht, wie kann man sich dann “Internetsoziologe” nennen? Ist so eine Bezeichnung denn überhaupt möglich, wenn die Subdisziplin noch nicht ausdifferenziert wurde?

Ich sehe es so: die Arbeit an einer Internetsoziologie ist ein ausreichendes Merkmal für eine entsprechende Tätigkeitsbeschreibung, es muß deshalb nicht unbedingt auf Basis einer ausdifferenzierten Internetsoziologie gearbeitet werden. Die Erforschung neuer Phänomene ist ja gerade ein entscheidendes Merkmal wissenschaftlichen Arbeitens, weshalb meines Erachtens sowohl das Arbeiten auf Basis einer Theorie als auch die Neu- oder Weiterentwicklung gleichermaßen wichtig sind. Zumal: wann ist eine (Sub)Disziplin denn tatsächlich ausreichend ausdifferenziert? Wenn sie erstmals konsequent institutionalisiert wurde? Dann könnte ich behaupten: dies ist in Grundzügen bereits seit 2006, spätestens jedoch seit 2012 mit meinem eigenen Arbeitsbereich an der UdK Berlin der Fall. Ich behaupte es aber nicht, denn aus den o.a. Gründen betrachte ich das Ganze eher als “Work in Progress”.

Wieso findet all dies gerade an der Berliner Universität der Künste statt?

Ganz einfach: weil Prof. Joachim Sauter, ein “Pionier der Neuen Medien” und Leiter der Digitalen Klasse, der erste war, der die Sinnhaftigkeit dieses Vorhabens erkannte und nach Kräften förderte. Deshalb findet die internetsoziologische Arbeit an der Fakultät Gestaltung (englisch inhaltlich etwas treffender: The College of Architecture, Media and Design) im Institut für zeitbasierte Medien statt. Dabei bietet die kreativ-transdisziplinäre Atmosphäre des Medienhauses der UdK mit den herausragenden Kolleginnen und Kollegen, den kreativ-neugierigen Studierenden und ihren digital-sozialen Ideen (welche besonders gut zum Ende des Sommersemesters auf dem traditionellen UdK-Rundgang zu bewundern sind) unbestreitbare Vorteile, die bei der Entwicklung neuer Ideen, Theorien, Methoden, Ansätze und Experimente in diesem Bereich zum Tragen kommen. Der wahrscheinlich bedeutendste Vorteil ist die Abwesenheit der Idee, daß das Internet zwar ein “Misthaufen” sei, aber auf Mist ab und zu auch mal schöne Blumen blühen. Das ist eine recht defätistische, wenn nicht gar dystopische Sichtweise, die von uns, den Mitgliedern der Klasse, abgelehnt wird. Wir stellen nicht Versuch und Irrtum oder das “Prinzip Hoffnung” in den Vordergrund, sondern Methodik, Effizienz und Effektivität – das Internet ist eher ein unbeschriebenes Blatt mit viel Raum für Ideen, und die Innovationskraft für solche Entwicklungen findet sich in der Digitalen Klasse. Nicht umsonst zählt die Digitale Klasse zu den weltweit erfolgreichsten Digitaldesignklassen und Joachim Sauter zu den besten und gefragtesten Designern der Welt. Seine Ideen sind gleichermaßen künstlerisch wertvoll wie auch gesellschaftswissenschaftlich anwendbar, so daß ein Denken über die Grenzen der Computerchips hinaus hier tägliche Übung ist. Und das braucht es meines Erachtens, wenn man innovative und wissenschaftlich anspruchsvolle Lösungen für die Analyse der Digitalisierung unserer Gesellschaft erhalten möchte.

Abgesehen davon hat die UdK zusammen mit der Humboldt-Uni, dem Wissenschaftszentrum Berlin und dem Hans-Bredow-Institut Hamburg vor kurzem (2011) das neue Alexander-von-Humboldt-Institut für Internet und Gesellschaft (HIIG) ins Leben gerufen, was ebenfalls zeigt, daß die Analyse der Digitalisierung unserer Gesellschaft an der UdK ein starkes und wichtigtes Thema ist. (Darüber hinaus hat die UdK wie bereits erwähnt meinen Arbeitsbereich Internetsoziologie zu Beginn des Jahres 2012 manifestiert und mich mit Ausbau und Etablierung beauftragt.)

Es gibt also einen offiziellen Arbeitsbereich Internetsoziologie?

Ja, meinen an der UdK.

Was ist das Ziel von Internetsoziologie.de?

Erstens: ganz klar die Vernetzung. Die Analyse der Digitalisierung unserer Gesellschaft mit soziologischen Mitteln und Methoden soll gestärkt und institutionalisiert werden. Ob sich die Ergebnisse dann auch “Internetsoziologie” nennen oder nicht, ist wohl eher nachrangig. “Digitale Soziologie”, “Soziologie des Internets” und “Soziologie digitaler Medien” sind Begriffe, die auch in Ordnung sind ;-) (“Digitalisierungssoziologie” klingt in meinen Ohren ziemlich hingegen ziemlich meschugge, wenn ich ehrlich sein darf …) Zweitens: Internetsoziologie.de ist natürlich pure Propaganda für eine demokratische Wissenschaft auf Basis der Menschenrechte. Ich habe die Politisierung von Wissenschaft schon im Studium nicht leiden können, denn ich habe kein Interesse an Ideologisierung oder einer wirren politischen Instrumentalisierung von Wissenschaft, sondern an Wissenschaft ohne Wenn und Aber. Deshalb wird es hier auch keinerlei Parteiwerbung, Lobbyismus oder andere inhaltliche Vorgaben, Überzeugungsversuche oder Schleichwerbung geben. Soziologie ist keine Werbung für die “Weltrevolution”, den Marxismus oder sonstige politische Phantasien. Es ist eine Wissenschaft und nur darum geht es hier.

Dasselbe gilt übrigens für den Sicherheitsforschungsteil dieser Website: ich verurteile ausnahmslos ALLE Extremismen, egal ob politisch (rechts/links) oder religiös motiviert!

Wie ist Internetsoziologie.de entstanden?

1999 entstand internetsoziologie.de, die Website über die Soziologie des Internets, als eine logische Konsequenz in Hinblick auf die Verbindung von Gesellschaft und Technik, die sich für mich bereits während des Studiums der Soziologie ergab.

Vorläuferinhalte waren bereits seit 1992 online (seit 1996 unter der Domain humer.de); seitdem wandelte sich die Website ständig. 1999 erhielt sie den aktuellen Namen samt Domain. Erst gab es nur eine einfache HTML-Seite mit einigen soziologischen Kerninfos, dann diente die Website zunehmend als Anlaufstelle für die EDV-Kurse, die von mir an der Freien Universität Berlin veranstaltet wurden sowie als Plattform für Seminare und Projekte, die im Institut für Soziologie verortet waren. Seit 2005 dient die Website vor allem der Forschungs- und Dozenturenbegleitung sowie als Anlaufstelle für Internetsoziologie-Interessierte.

Unter dem Titel “Starke Worte” findet man seit März 2009 in loser Folge Zitate von Persönlichkeiten, die ihre ganz eigene Sicht auf das digitale Leben haben. Wie es sich für starke Worte gehört, können diese für sich allein stehen, gänzlich unkommentiert. Es bleibt jedem selbst überlassen, sich seinen Teil dazu zu denken …