Feb

10

(Berlin/Winnenden, 10.2.2010) Der Berliner Wissenschaftler und Netzexperte Dr. Stephan Humer fordert eine strengere Regulierung von irreführender Werbung, die zu vermeintlich kostenlosen Produkten leitet. “In vielen Fällen bedeutet der Eyecatcher ´Gratis!´ lediglich, daß kein Geld für bestimmte Produkte wie MP3s, Klingeltöne oder e-Books bezahlt werden muß. Trotzdem sind diese Produkte häufig nicht wirklich kostenlos, denn es werden viel mehr Daten abgefragt als nötig – und die sind für Unternehmen bares Geld wert.”

Die genaue Kennzeichnung der preiszugebenden Daten sowie die detaillierte Darlegung, wann die Daten wofür und von wem eingesetzt werden – und dies alles im Vorfeld, beispielsweise mit dem bekannten Sternchen (“*”) und einer umfassenden, gut lesbaren Erläuterung direkt unter dem Lockangebot – wären ein erster Schritt auf dem Weg zu einer userfreundlicheren Gestaltung von kostenlosen Lockangeboten, so Dr. Humer. “Je mehr Angebotsinformationen man hat, desto besser kann man sich für oder gegen eine Preisgabe von privaten Daten und die Nutzung des jeweiligen Angebots entscheiden.”

Besonders Kinder und Jugendliche müssen besser vor Gratisfallen geschützt werden. Der bekannte Internetsoziologie verwies auf einschlägige Ergebnisse, die die Problematik von unbekümmerten Datenpreisgaben in der Vergangenheit mehrfach bestätigt haben. In
seinem im CSW-Verlag erschienenen Buch “Digitale Identitäten” weist er auf die ganzheitlichen Folgen der zunehmenden digitalen Einflüsse auf Individuum und Gesellschaft hin. “Den Menschen muß immer wieder vor Augen geführt werden, wie sensibel ihre persönlichen Daten sind. Wenn man das Attribut ´Gratis´ zukünftig nicht mehr nur mit Geld, sondern auch mit einem besonders datensparsamen Angebot in Verbindung bringt, dann wäre dies eine sehr erfreuliche Entwicklung für alle, die sich in digitalen Umgebungen bewegen. Hier ist die Politik gefragt.”


Comments

You must be logged in to post a comment.