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AfD: bisherige Einschätzungen weiter bekräftigt

Ein Beitrag vom 11. März 2016

Es klingt freilich etwas seltsam, wenn ich sage, daß ich mich auf ein starkes Abschneiden der AfD am kommenden Sonntag freue – aber es geht natürlich nur um die methodische Ebene, nicht um die politische. (Siehe dazu ein früheres Posting hier.) Die Kommunalwahlen am vergangenen Wochenende haben meine Vermutung immerhin schon mal bestärkt, und nun gibt es eine Umfrage der Kolleginnen und Kollegen von Emnid, die für eine weitere Bekräftigung sorgt:

“Die Alternative für Deutschland (AfD) stößt in der Bevölkerung offenbar auf größere Akzeptanz als bislang angenommen. In einer aktuellen Emnid-Umfrage für N24, den TV-Sender der “Welt”-Gruppe, antworteten 34 Prozent der Befragten auf die Frage “Halten Sie es grundsätzlich für gerechtfertigt, die AfD zu wählen?” mit “Ja”.”

(Quelle: welt.de)

Meine Überlegungen resultieren ja wie berichtet aus der Medienbeobachtung. Ich habe im Laufe der vergangenen Wochen (und Monate) Veränderungen im Diskussionsverhalten online festgestellt, die mich zu dem Fazit führten, daß die AfD am kommenden Sonntag nicht nur marginal erfolgreich sein wird (wer eine zahlenbasierte Aussage möchte: nicht nur mehr als fünf Prozent, sondern sehr nahe an der Zweistelligkeit oder sogar signifikant zweistellig, d.h. zwischen 9 und 12 Prozent). Das hat viel mit der Stimmung in der Bevölkerung zu tun, welche offen diskutiert wird und nicht unbedingt ein anonym abzufragendes Wählergeheimnis oder ähnliches ist – und deshalb ein diskurstechnisch gut analysierbares Phänomen, so mein Eindruck. Während die Kolleginnen und Kollegen von Emnid eine klassische Umfrage durchgeführt haben, habe ich also eine digitale Medienbeobachtung durchgeführt. Sollte der kommende Sonntag somit für die AfD erfolgreich werden, so ist er das auch für mich. Wir sind inzwischen so stark “durchdigitalisiert”, daß bspw. Kommentarbereiche, Facebookdiskussionen und/oder Tweets ausreichen sollten, um Stimmungen in der Bevölkerung zu analysieren. Das Digitale sagt also ausreichend viel über das Digitale und das Analoge, so meine These.

Wichtige Zwischenschritte vor der empirischen Bestätigung (durch die Wahl am kommenden Sonntag) sind Befragungen wie die von Emnid also auf jeden Fall. Sie stimmen mich weiterhin hoffnungsvoll, daß das Modell entsprechend tauglich ist, ebenfalls ein brauchbares Stimmungsbild zu ermöglichen.

Neben der Frage der Akzeptanz freute mich übrigens auch dieser Aspekt:

“59 Prozent der Befragten stimmen der Aussage zu, bei einem Erfolg der AfD am Sonntag sollten sich die Etablierten “mit der AfD stärker auseinandersetzen und politisch stärker dagegenhalten”.”

(a.a.O.)

Auch dies ist nämlich sehr gut online in Diskussionen zu beobachten. Unzufriedenheit wird artikuliert – und ist online damit beobachtbar. Dasselbe gilt hierfür:

“Auf die Frage “Welche Partei hat aus Ihrer Sicht das beste Konzept in der Flüchtlingskrise?” antworten 34 Prozent mit “Keine Partei/weiß nicht” – dies ist der höchste Wert.”

(a.a.O.)

Auch das kann man natürlich gut “ablesen”. Deshalb freut mich sehr, daß Emnid bspw. nicht nur gefragt hat, wen man am kommenden Sonntag wählen will, sondern sich etwas genauer der Stimmung in der Bevölkerung gewidmet hat. Da ich direkt an diese Punkte anknüpfen kann, ist das entsprechend erfreulich.

Aber ich betone auch an dieser Stelle nochmal: aus methodischer Sicht. Es geht hier um Medienanalyse, eine Art Seismograph oder Stimmungsbarometer – nicht um politische Vorlieben meinerseits. Daß die AfD von mir mit einer entsprechenden Prognose versehen wird, liegt nicht an ihrer politischen Ausrichtung oder gar, daß mir diese privat gefallen würde, sondern ausschließlich an der festgestellten Diskursveränderung. Hätte sich die Stimmung in eine andere Richtung gedreht, wäre das meine Ausgangslage gewesen. Jetzt geht es aber um Flüchtlinge, Asylfragen, die Ereignisse von Köln und damit in der Folge um die AfD. Dies alles hatte Einfluß auf die Online-Diskussionen und letztlich das Erstarken dieser Partei und war damit in dieser Ausprägung bemerkenswert genug. Es paßt somit in meinen Medienanalyse-Arbeitsfokus. Nicht mehr – aber auch nicht weniger.


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