Mrz

18

Interviewschnipsel: Der Elektrische Reporter und die geschlossenen Gemeinschaften im Internet

März 18, 2016 | Kommentare deaktiviert für Interviewschnipsel: Der Elektrische Reporter und die geschlossenen Gemeinschaften im Internet

Mrz

17

AfD: selbst entwickeltes Medienanalysemodell durch Wahl deutlich bestätigt

März 17, 2016 | Kommentare deaktiviert für AfD: selbst entwickeltes Medienanalysemodell durch Wahl deutlich bestätigt

Die Wahlen am vergangenen Sonntag waren zumindest aus methodischer Sicht ein Erfolg: die Diskursanalyse, die ich in den vergangenen Monaten durchgeführt habe, hat die starke Tendenz großer Teile der Bevölkerung in Richtung AfD vorhergesagt und die Ergebnisse der drei Landtagswahlen haben dies bestätigt. Das von mir entwickelte Modell war somit nicht nur funktionsfähig, sondern auch erstaunlich präzise.

Das heißt nun unterm Strich: Stimmungen können heutzutage in der Bevölkerung wohl auch gut „rein digital“ festgestellt werden. Man braucht dazu offenbar nicht mehr unbedingt ein analoges Modell wie die Befragung auf der Straße oder vor einem Wahllokal.

Freilich befindet sich diese Art der Diskursanalyse noch ganz am Anfang, doch punktuell sind bereits Kolleginnen und Kollegen mit eigenen Ansätzen unterwegs, die in dieselbe Richtung gehen. Mein übergeordnetes Ziel ist es, das Modell im Laufe der kommenden Monate so zu verfeinern, daß quasi jedermann eine eigene und zumindest einigermaßen präzise Medienanalyse durchführen kann – ohne großen technischen, organisatorischen oder personellen Aufwand. Eines der dazu gehörenden Teilziele ist die Ein-Personen-Analyse, angelehnt an die „Morgenlage“ bspw. eines Pressesprechers einer Bundestagsfraktion oder eines größeren Unternehmens. Mehr dazu in Kürze an dieser Stelle ;-)

Mrz

11

AfD: bisherige Einschätzungen weiter bekräftigt

März 11, 2016 | Kommentare deaktiviert für AfD: bisherige Einschätzungen weiter bekräftigt

Es klingt freilich etwas seltsam, wenn ich sage, daß ich mich auf ein starkes Abschneiden der AfD am kommenden Sonntag freue – aber es geht natürlich nur um die methodische Ebene, nicht um die politische. (Siehe dazu ein früheres Posting hier.) Die Kommunalwahlen am vergangenen Wochenende haben meine Vermutung immerhin schon mal bestärkt, und nun gibt es eine Umfrage der Kolleginnen und Kollegen von Emnid, die für eine weitere Bekräftigung sorgt:

„Die Alternative für Deutschland (AfD) stößt in der Bevölkerung offenbar auf größere Akzeptanz als bislang angenommen. In einer aktuellen Emnid-Umfrage für N24, den TV-Sender der „Welt“-Gruppe, antworteten 34 Prozent der Befragten auf die Frage „Halten Sie es grundsätzlich für gerechtfertigt, die AfD zu wählen?“ mit „Ja“.“

(Quelle: welt.de)

Meine Überlegungen resultieren ja wie berichtet aus der Medienbeobachtung. Ich habe im Laufe der vergangenen Wochen (und Monate) Veränderungen im Diskussionsverhalten online festgestellt, die mich zu dem Fazit führten, daß die AfD am kommenden Sonntag nicht nur marginal erfolgreich sein wird (wer eine zahlenbasierte Aussage möchte: nicht nur mehr als fünf Prozent, sondern sehr nahe an der Zweistelligkeit oder sogar signifikant zweistellig, d.h. zwischen 9 und 12 Prozent). Das hat viel mit der Stimmung in der Bevölkerung zu tun, welche offen diskutiert wird und nicht unbedingt ein anonym abzufragendes Wählergeheimnis oder ähnliches ist – und deshalb ein diskurstechnisch gut analysierbares Phänomen, so mein Eindruck. Während die Kolleginnen und Kollegen von Emnid eine klassische Umfrage durchgeführt haben, habe ich also eine digitale Medienbeobachtung durchgeführt. Sollte der kommende Sonntag somit für die AfD erfolgreich werden, so ist er das auch für mich. Wir sind inzwischen so stark „durchdigitalisiert“, daß bspw. Kommentarbereiche, Facebookdiskussionen und/oder Tweets ausreichen sollten, um Stimmungen in der Bevölkerung zu analysieren. Das Digitale sagt also ausreichend viel über das Digitale und das Analoge, so meine These.

Wichtige Zwischenschritte vor der empirischen Bestätigung (durch die Wahl am kommenden Sonntag) sind Befragungen wie die von Emnid also auf jeden Fall. Sie stimmen mich weiterhin hoffnungsvoll, daß das Modell entsprechend tauglich ist, ebenfalls ein brauchbares Stimmungsbild zu ermöglichen.

Neben der Frage der Akzeptanz freute mich übrigens auch dieser Aspekt:

„59 Prozent der Befragten stimmen der Aussage zu, bei einem Erfolg der AfD am Sonntag sollten sich die Etablierten „mit der AfD stärker auseinandersetzen und politisch stärker dagegenhalten“.“

(a.a.O.)

Auch dies ist nämlich sehr gut online in Diskussionen zu beobachten. Unzufriedenheit wird artikuliert – und ist online damit beobachtbar. Dasselbe gilt hierfür:

„Auf die Frage „Welche Partei hat aus Ihrer Sicht das beste Konzept in der Flüchtlingskrise?“ antworten 34 Prozent mit „Keine Partei/weiß nicht“ – dies ist der höchste Wert.“

(a.a.O.)

Auch das kann man natürlich gut „ablesen“. Deshalb freut mich sehr, daß Emnid bspw. nicht nur gefragt hat, wen man am kommenden Sonntag wählen will, sondern sich etwas genauer der Stimmung in der Bevölkerung gewidmet hat. Da ich direkt an diese Punkte anknüpfen kann, ist das entsprechend erfreulich.

Aber ich betone auch an dieser Stelle nochmal: aus methodischer Sicht. Es geht hier um Medienanalyse, eine Art Seismograph oder Stimmungsbarometer – nicht um politische Vorlieben meinerseits. Daß die AfD von mir mit einer entsprechenden Prognose versehen wird, liegt nicht an ihrer politischen Ausrichtung oder gar, daß mir diese privat gefallen würde, sondern ausschließlich an der festgestellten Diskursveränderung. Hätte sich die Stimmung in eine andere Richtung gedreht, wäre das meine Ausgangslage gewesen. Jetzt geht es aber um Flüchtlinge, Asylfragen, die Ereignisse von Köln und damit in der Folge um die AfD. Dies alles hatte Einfluß auf die Online-Diskussionen und letztlich das Erstarken dieser Partei und war damit in dieser Ausprägung bemerkenswert genug. Es paßt somit in meinen Medienanalyse-Arbeitsfokus. Nicht mehr – aber auch nicht weniger.

Mrz

10

11. Internat. For..Net-Symposium „Geschäftsmodelle im Internet“ am 14./15. April in Passau

März 10, 2016 | Kommentare deaktiviert für 11. Internat. For..Net-Symposium „Geschäftsmodelle im Internet“ am 14./15. April in Passau

Ich empfehle auch dieses Jahr wieder sehr gern:

— cut —

[D]ie von Herrn Prof. Dr. Dirk Heckmann geleitete Forschungsstelle für IT-Recht und Netzpolitik (For..Net) veranstaltet am 14. und 15. April 2016 in Passau das nunmehr 11. Internationale For..Net-Symposium: „Geschäftsmodelle im Internet: Innovationen zwischen Rechtsschutz und Nutzererwartung“. Die Tagung steht unter der Schirmherrschaft der Parlamentarischen Staatssekretärin im Bundesministerium für Verkehr und Digitale Infrastruktur, Dorothee Bär.

Kern des Symposiums bilden Vorträge und Diskussionsrunden von und mit hochkarätigen internationalen Experten aus Politik, Wissenschaft und Praxis. Erwartet werden über 100 Teilnehmer aus dem juristischen Spektrum.

Die Fachveranstaltung in den Passauer Redoutensälen wird von einem besonderen kulturellen Rahmenprogramm umrahmt. Während des traditionellen Galaabends auf der Veste Oberhaus wird bereits zum 3. Mal der For..Net-Award, ein Preis für datenschutzkonforme IT-Innovationen, verliehen. Als musikalisches Highlight konnte die international renommierte Sängerin Kavila Wiener mit ihrer Band gewonnen werden.

Weitere Veranstaltungshinweise, das Tagungsprogramm sowie ein Anmeldeformular finden Sie über https://www.for-net.info/symposien/symposium-2016/programm/ und https://www.for-net.info/symposien/symposium-2016/anmeldung/. Eine Tagungsgebühr wird nicht erhoben.

Mrz

6

Kommentarbereichssperrungen: das falsche Einknicken zahlreicher Onlinemedien

März 6, 2016 | Kommentare deaktiviert für Kommentarbereichssperrungen: das falsche Einknicken zahlreicher Onlinemedien

Was war zuerst? Huhn oder Ei? Diese Frage stellt sich auch, wenn man die Kommentarbereiche zahlreicher Onlinemedien anschaut – oder besser gesagt: das, was von ihnen noch übrig ist. Seitdem auch die „Welt“ nur noch unter „ausgewählten Artikeln“ Kommentare zulässt, fehlt mir zwar ein wichtiges Element meiner bisherigen Medienanalyse – aber zugleich wird auch sehr deutlich, wie fragil eine solche Analyse ist und wie grob („Eher ja/eher nein“) sie wohl auch in ihrer Aussagekraft nur sein kann.

Denn es ist sehr viel Bewegung drin: in der Debatte, was man löscht und was nicht, in der Debatte, wie man löscht (automatisiert, per Hand oder beides – oder gar nicht), in der Debatte, was man zulässt und was nicht (lässt man vieles zu: ggf. juristische Probleme, Trolle, Ärger – lässt man wenig oder gar nix zu: ggf. Abwanderung der LeserInnen zu „alternativen Medien“, Shitstorm, Ärger). Bewegung macht es spannend, läßt aber eben auch nur sehr vage Aussagen zu (oder sehr grobe Einteilungen, s.o.). Ein valides Modell läßt sich so nicht entwickeln, da sich die Rahmenbedingungen oftmals so schnell und stark ändern, daß man seine Arbeit gleich wieder einstellen kann, noch bevor man einen Schritt weiter gekommen ist. Das war aber absehbar (Digitalisierung = Tempo), weshalb ich bei allzu euphorischen Analysetools immer skeptisch bin. Zu viele Versprechungen auf der Detailebene, das kann oftmals nicht funktionieren. Wer heute meint, den einen Weg zur Meinungsanalyse gefunden zu haben, kann schon morgen denselben versperrt vorfinden. Zu viel hat sich in der Vergangenheit geändert, zu wenig blieb stabil. Meine Prognose in Sachen AfD (siehe hier) bleibt allerdings bestehen. Dafür waren die Erlebnisse der letzten Monate zu intensiv. So schnell wird die Meinung („pro AfD“) bei zahlreichen Wählerinnen und Wählern nicht mehr drehen. Wir werden es am 13. März erleben.

Doch warum ist das so? Sprich: wie kommt es eigentlich zu dieser Meinung „pro AfD“, was sind die Gründe? Das führt uns zurück zu der Huhn-oder-Ei-Frage zu Beginn dieses Textes, denn: was war eigentlich zuerst da? Eine Stimmung pro AfD, die nur digital sichtbar wurde? Oder führte die Digitalisierung erst zur AfD-Stimmung? Prägen Menschen das Digitale oder prägt das Digitale die Menschen?

Ich sehe die digitalen Möglichkeiten nicht als Ursache. Es wurde sichtbar, was ohnehin da ist – es entstand jedoch nichts, woran die Digitalisierung nun die Schuld trägt. Denn wenn jemand überzeugt oder gar radikalisiert werden kann, muss er dafür auch offen, empfänglich, bereit sein. Allerhöchstens tragen (digitale) Massenmedien somit einen Beitrag zur Überzeugung der Unentschlossenen bei. Mein Eindruck in den letzten Monaten war jedoch bei diesem Thema, daß Digitalisierung all denjenigen, die schon längst überzeugt sind, schlicht – „endlich“, so schienen viele zu meinen – ein Forum bietet. Denn die Aussagen waren oftmals so unzweideutig, hart, kompromisslos, undiplomatisch und glasklar, dass ich hier nicht den Eindruck gewinnen konnte, einigen Unentschlossenen beim „Werden“ zuzuschauen. Die Mehrheit wurde nicht, sondern war bereits.

Deshalb ergibt es jetzt auch keinen Sinn, durch Sperrungen von Kommentierungsmöglichkeiten oder das Ausweichen auf Facebook („Sollen sie dort kommentieren, dann ist der Hass Facebooks Problem“) die Hoffnung zu schüren, Dinge würden besser (= weniger negativ im mannigfaltigen Sinne der Onlinemedien/Kommentarbereichsbetreiber) werden. Denn erstens gibt es wie gesagt Alternativen – selbst zu Facebook (siehe dazu bspw. „Russisches Netzwerk VK.com: Sammelbecken für Facebook-Hetzer“). Und zweitens liegen die Ursachen eben nicht in den digitalen Möglichkeiten, sondern in den Köpfen der Menschen. Und da bleiben letztlich nur zwei Aspekte übrig, die hier ausschlaggebend sind: entweder wir haben es in Sachen „Pro AfD“ mit einem entsprechend großen Anteil glasklarer Rechtspopulisten, ihren Fans, Unterstützern und Sympathisanten zu tun, denen die „Wahrheit“ schlicht egal ist und für die nur der Transport ihrer Ideologie wichtig ist – auch, um Unentschlossene zu überzeugen und ins Boot zu holen. Oder wir haben tatsächlich eine nicht nur marginale Masse an Menschen in der Bevölkerung, die in der AfD den einzigen Ausweg aus einer ihrer Meinung nach grundfalschen Politik sehen und denen es somit um die „Wahrheit“ geht, für die die AfD als Symbol ihres Widerspruches gewählt wird – Rechte in der Partei oder ihrem Umfeld hin oder her.

Für die Medienanalyse ist es jedoch völlig egal, welcher dieser beiden Aspekte nun gilt. Klar und deutlich bleibt auf jeden Fall: das Digitale ist hier nicht der Grund für diese Entwicklung. Es wird sich nichts in den Köpfen ändern, nur weil man Kommentarbereiche schließt. Wenn es ganz schlecht läuft, behütet man so nicht einmal mehr die Unentschlossenen, denn die finden heutzutage ohnehin, was sie suchen – Stichwort VK.com. Auch in diesem Falle muss also ein souveräner Umgang mit den digitalen Möglichkeiten her. So unbeliebt das in Deutschland auch sein mag.

pediapress-com

Das Buch zum Internetsoziologie-Wiki: jetzt gratis runterladen oder als Printausgabe bestellen