Jan

31

Warum der “Digitale Radiergummi” Unsinn ist

Januar 31, 2011 | Kommentare deaktiviert

Seit einigen Tagen schon wird eine neue Sau durchs digitale Dorf getrieben: das “vergessende Internet”. Technische “Verfallsdaten” im Internet sind aber schlicht Unsinn, weil nicht umsetzbar. Grund dafür ist die abstrakte Netzstruktur des Internets: man nähert sich dem Kern des Problems der unkontrollierbaren Datenverteilung erst dann, wenn man als gegeben annimmt, daß ein Datensatz nach seiner Veröffentlichung abgerufen werden kann. Bereits die theoretische Chance des Abrufes sorgt dafür, daß wir als Urheber nicht mehr die Gewißheit haben, hier Kontrolle ausüben zu können. Ein Beispiel: Zeige ich jemanden ein Foto aus Papier in einem Fotoalbum aus Pappe, so kann ich ziemlich sicher sein, daß diese Person im Moment des Betrachtens das Bild tatsächlich nur an einem Ort speichert: im Gedächtnis. Sobald das Bild aber digital veröffentlicht wird, habe ich keine vergleichbare Sicherheit mehr. Und damit müssen wir als als Gesellschaft leben und entsprechende Konsequenzen ziehen.

Das klingt freilich einfach, ist es aber nicht. Deshalb ist es auch verständlich, daß stets nach einfachen Lösungen gesucht wird. Techniken wie “X-Pire” von Michael Backes aus Saarbrücken führen allerdings massiv in die Irre und sind deshalb sogar kontraproduktiv, weil sie wie ein Versprechen gegen schlechtes Wetter wirken, welches sich bei genauerer Betrachtung doch nur als simple Bekleidungsempfehlung entpuppt und nichts gegen das Wetter an sich ausrichten kann. So ist es auch mit Dateien, die sich selbst zerstören oder nicht mehr entschlüsselbar sind: sie wirken nicht da, wo sie eigentlich wirken sollten. Bei genauerer Betrachtung wird man feststellen, daß sie dies schlicht und ergreifend nicht können.

Es wäre deshalb besser für alle Beteiligten, wenn man sich auf das Kernthema konzentrieren und die Finger von Placebos lassen würde. Das heißt: umfassende Beschäftigung mit dem Thema Digitalisierung und Gesellschaft, umfassende Aufklärung und Debatte über Datenschutz und – vor allem – Datensparsamkeit, Konzentration auf interdisziplinäre Projekte und Debatten, sprich: die Verwebung von Technik, Recht und Gesellschaft statt singulärer, kontraproduktiver und ausschließlich technisch konnotierter Scheinlösungen sowie undifferenzierter Technikhörigkeit. Daß das mühsamer ist als irgendwo einen Knopf zu drücken und sich so einer Scheinsicherheit hinzugeben, dürfte einleuchtend sein. Und selbst wenn Technik hier Lösungen schaffen könnte: bevor für jedes neue Problem eine neue technische Lösung entwickelt werden muss, dürfte es einfacher sein, sich einmal interdisziplinär und grundlegend mit der Thematik auseinandergesetzt zu haben. Technik ist in diesem Falle nämlich leider keine Lösung, sondern nur gefährliche Augenwischerei.

UPDATE (31.1.2011):
Erste Sicherheitslücke ausgenutzt

Jan

28

Serious Games

Januar 28, 2011 | Kommentare deaktiviert

Um den komplexen Anforderungen der Digitalisierung unserer Gesellschaft gerecht zu werden und den Menschen Methoden und Strategien der Bewältigung dieser revolutionären Entwicklung mitzugeben, sind sogenannte “Serious Games”, also Spiele mit dem Ziel, Informationen zu vermitteln, ein sehr interessanter Ansatz. Auf der Learntec 2011 diskutieren Kolleginnen und Kollegen diesen neuen Weg des Lernens. Wie so oft in der digitalen Welt fehlen aber auch hier die Grundlagen:

“Kompetenzerwerb durch Serious Games gilt derzeit als Bildungstrend der Zukunft. Viele Anbieter experimentieren mit hochkomplexen virtuellen Spiel- und Lernprogrammen, die eine möglichst praxisnahe Aus- und Weiterbildung ermöglichen und den individuellen Anforderungen Rechnung tragen sollen. Doch fehlen wissenschaftlich fundierte Aussagen, wo und wie Serious Games schnell, kostengünstig und nachhaltig eingesetzt werden können.

(Quelle: idw)

Jan

27

1. Auflage von “Digitale Identitäten” bald ausverkauft

Januar 27, 2011 | Kommentare deaktiviert

Von der ersten Auflage meines Buches “Digitale Identitäten” sind nach Angaben des Verlages nur noch wenige Exemplare übrig. Ich bemühe jetzt einfach mal einen abgedroschenen Slogan aus der Werbung: Sichern Sie sich jetzt Ihr persönliches Exemplar!

Jan

26

Mein Perso gehört zu mir! Warum eigentlich?

Januar 26, 2011 | Kommentare deaktiviert

Als ich am Montag zu einer Expertenrunde in den Bundestag eingeladen war, konnte ich zum ersten Mal das aktuelle Personalausweisgesetz in der täglichen Anwendung – bei der Zugangskontrolle am Eingang – erleben. Das ist deshalb interessant, weil sich etwas Grundlegendes geändert hat, was den meisten Bürgerinnen und Bürgern wohl noch weitestgehend unbekannt sein dürfte:

“Mit Inkrafttreten der Neufassung des Personalausweisgesetzes am 1. November 2010 wurden mehrere Änderungen für den neuen elektronischen Personalausweis vorgenommen. So darf laut § 1 Abs. 1 Satz 3 nicht mehr vom Ausweisinhaber verlangt werden, den Personalausweis als Pfand zu hinterlegen oder aus sonstigen Gründen aus der Hand zu geben. Zudem ist der Ausweisinhaber gemäß § 27 Abs. 2 für den Schutz seines Ausweises vor Missbrauch verantwortlich.”

(Quelle: Wikipedia)

Die beiden Bundes(tags)polizisten vor dem Paul-Löbe-Haus durften freilich den Personalausweis zur Kontrolle in die Hand nehmen (für sie gilt die Regelung nicht, das wäre ja auch unsinnig), aber der Angestellte des Sicherheitsdienstes im Haus mußte von der Annahme des Ausweises als Pfand für meinen Besucherausweis Abstand nehmen. Die Folge: Er fragte mich nach Reisepaß oder Führerschein. (Letzteren hatte ich zum Glück dabei, so daß ich im Austausch für den Führerschein den notwendigen Besucherausweis erhielt.)

Doch warum gibt es die Regelung überhaupt? Ganz einfach: auf dem Ausweis befinden sich Daten, die einen Mißbrauch durch Unbefugte erleichtern könnten, beispielsweise die CAN (Card Access Number). Diese Daten sollen deshalb möglichst geheim bleiben und deshalb hat der Ausweis in fremden Händen nichts zu suchen. Auch Kopieren ist damit grundsätzlich unzulässig. Und wie stellt man jetzt die auch in der Wirtschaft beliebte Identitätsüberprüfung per Personalausweis sicher, beispielsweise bei einer Kontoeröffnung oder dem Abschluß eines Mietvertrages? Ganz einfach: durch die digitale eID-Funktion zum Beispiel …

Jan

23

Immer wieder interessant …

Januar 23, 2011 | Kommentare deaktiviert

… wo “Digitale Identitäten” so einsortiert wird: Informatik, Digitaltechnik und auch mal … hier.

Jan

17

Eröffnung des Computerspielemuseums in Berlin

Januar 17, 2011 | Kommentare deaktiviert

An diesem Freitag öffnet es seine Tore, am Donnerstagabend ist bereits die dazugehörige Einweihungsparty. Und – sehr wichtig, sehr löblich – es sollen alle Facetten des Phänomens Computerspiele beleuchtet werden:

“Dass viele Kids heute in ihrer Freizeit nichts anderes mehr machen als stundenlang bei Rollen- oder Actionspielen vor dem Computer zu sitzen, wird im Berliner Computerspielemuseum ebenfalls thematisiert. “Abhängigkeit, Gewaltverherrlichung – wir sprechen auch die dunkle Seite an”, sagt Direktor Andreas Lange. Computerspiele in all ihren Facetten besser zu verstehen, das sei die eigentliche Herausforderung, sagt der 43-Jährige. “Ein vergleichbares Kulturphänomen hat die Menschheit schließlich noch nicht erlebt.”"

(Quelle: heise online)

Jan

16

Pressespiegel: 10 Jahre Wikipedia

Januar 16, 2011 | Kommentare deaktiviert

Über die zahlreichen Berichte zum Wikipedia-Jubiläum gibt es einen umfangreichen Pressespiegel bei … genau, natürlich Wikipedia.

Jan

10

Das ganze Leben lang digital – und darüber hinaus …

Januar 10, 2011 | Kommentare deaktiviert

Im vergangenen Jahr habe ich einige Interviews zum Thema Onlinepräsenzen für Neugeborene gegeben, doch nicht nur der Beginn eines neuen Lebens, auch das Ende eines digital aktiven Lebens stellt die Gesellschaft (und hier erneut die Angehörigen) vor neue Herausforderungen:

“For most survivors, coping with the physical possessions and conventional assets of the departed can be overwhelming enough, but at least there are parameters and precedents. Even if a houseful of objects is liquidated through an estate sale or simply junked, mechanisms exist to ensure some sort of definitive outcome, even in the absence of a will. (…) Bit-based personal effects are different. Survivors may not be aware of the deceased’s full digital hoard, or they may not have the passwords to access the caches they do know about.”

(Quelle: “Cyberspace When You’re Dead“, The New York Times)

Im Artikel zeigt sich meines Erachtens sehr gut, daß es hierbei vorrangig nicht um rechtliche Fragen geht (mit einer Sterbeurkunde erhält man durchaus die Passwörter zu den Accounts verstorbener Angehöriger und kann so Daten sichern), sondern vor allem um soziale Fragen. Es fehlen nicht nur die passenden Methoden, das digitale Andenken eines Verstorbenen zu bewahren, sondern auch adäquate Möglichkeiten der Bewertung und der Kontextualisierung, wie am Beispiel des verstorbenen Bloggers und seiner Eltern im Times-Text deutlich wird: Diese entdecken nach seinem Tod dank seiner Freunde, welche u.a. seine Blogeinträge retten konnten, eine völlig neue Welt, die ihren Sohn aus einer ganz anderen Perspektive zeigt und ihr Bild von ihm gewinnbringend ergänzt. Sie hätten es wohl sehr bedauert, wenn ihnen diese Perspektive aufgrund eines Datenverlustes verwehrt geblieben wäre. Große Teile der Lebenszeit ihres Sohnes wären ihnen unbekannt geblieben – Teile, die paradoxerweise aber öffentlich waren und gar nicht verborgen bleiben sollten.

Dazu kommt die Frage der Selbstkontrolle: Wer in der analogen Welt aktiv an seiner Identität arbeitet und sich Gedanken über die Wahrnehmung seines Lebens nach seinem Tod macht, der wird kaum wollen, daß sein digitales Erbe unberücksichtigt bleibt oder falsch verstanden wird. Denn es ist Teil der Identität, des Selbst – und damit Teil des Menschen und seines Erbes. Immer mehr Menschen werden sich daher um ihr digitales Erbe kümmern – und im Idealfall den Hinterbliebenen auch etwas in die Hand geben können, was ihnen die Einordnung der Hinterlassenschaften in ihr bisheriges Bild des Verstorbenen ermöglicht.

Wer mehr zu diesem Thema wissen möchte, wird auf den zwei Konferenzen in 2011 fündig, die die Digital Death Community vorbereitet – eine davon wird in Europa stattfinden, im Anschluß an die “Dying, Death and Disposal Conference” in den Niederlanden im September. Die andere wird voraussichtlich nach der SXSW-Konferenz in Austin, Texas stattfinden. Mehr dazu bei passender Gelegenheit hier.